I.

Das germanische Museum erwarb für sein Kupferstichkabinet auf der Auktion der großen Bibliothek[319], die zum größten Teil aus der stattlichen Bücherei des gräflichen Schlosses Lobris in Schlesien stammte, ein fliegendes Blatt aus den ersten Jahren des 16. Jahrhunderts, das sowohl seines Inhalts als seiner Herkunft wegen einer eingehenden Publikation würdig ist.

Fig. 1.

Der doppelseitig bedruckte Bogen in Folio enthält auf drei Seiten über je einer Labyrinthdarstellung, die verschiedene Form, nämlich die eines Quadrates, eines Dreieckes und eines Kreises (vgl. die Abbildungen, die in der Hälfte der Originalgröße hier wieder gegeben sind) mit figürlichen Zuthaten zeigen, einen zweispaltigen lateinischen Distichentext; die vierte Seite ist mit zweispaltigem lateinischem Prosatexte bedruckt. Sowohl äußere Gründe, die Typen, die Holzschnittmanier und dessen Stil, als auch andere positive Fingerzeige, wie Namen von nachweisbaren Persönlichkeiten, weisen auf Nürnberg als den Entstehungsort des meines Wissens bisher unbeschriebenen und unbekannten Blattes hin. Es entstammt den dortigen Humanistenkreisen und bietet den Anlaß zu interessanten Beobachtungen aus denselben.

Zuerst folge eine genaue Reproduktion des Textes.

Fig. 2.

Figura Labyrinthi.
Sebastianus Calcidius at lectorem.