Ich hoffte der Junge würde die Nerven nicht verlieren. Er sah nicht gerade glücklich aus im Moment—hatte sich aber wohl gehütet seine Hände auch nur in die Nähe seines Revolvers zu bringen.
"Lass meine Gäste in Ruhe", bruellte der riesenhafte Wirt. Der musste mindestens drei hundert Pfund wiegen. In seinem schwarzen Leder-Gilet sah er mehr wie ein Henker aus als wie ein Schenker. Er war hinter der Bar hervorgetreten und schwenkte seine Arme in veritabler Drohung.
"Weisst du mit wem du sprichst, Buffalo. Ich bin Billy Kane, Steckbriefjägerlein Numero Uno hierzulande. Mit mir hat's noch keiner aufgenommen. Und das dort ist mein Dienerchen—Juan. Er schiesst fast so schnell wie ich. So lass uns in Ruhe, Buffalo, sonst schiessen wir ein paar Löchlein durch deinen Pelz, so dass das Fett nur so raussprudelt." Darauf hin lachte die ganze Runde im Saloon.
Schöne Bande die wir hier versammelt haben, dachte ich. Ja ich hatte schon von Billy Kane gehört. Er war als Kopfjäger mehr berüchtigt als berühmt. Kopfjäger nannte ich alle Steckbriefjäger, weil sie meistens grössere Schuften waren, als die, die sie jagten. Er soll schon manche in den Rücken geschossen haben und sein Dienerchen Juan war auch kein Engelein. Es war wohl mit seiner Hilfe im Hinterhalt dass Billy mehrere Duelle gewonnen hatte. Solche Duelle finden nicht immer mit Zeugen statt, die den Schuss aus dem Hinterhalt hätten hören können. Die meisten Kopfjöger stellen ihren Gejagten ausserhalb der Stadt. Wirklich, mann kann das kaum ein Duell nennen. Es wurde mir klar, falls einer Billy ausschalten wollte, wär es wohl weise, zuerst Juan auszuschalten.
Der Wirt hatte sich zurück hinter die Bar begeben und bückte sich um etwas zu holen.
"Also was ist's, schöne Frau, sie stimmen wohl mit mir überein. Ich nehm die mal mit auf mein Zimmer für ein Weilchen. Über den Preis werden wir uns schon einig werden." Dabei packte er die sechzehnjährige Tochter beim Unterarm und zog sie auf die Beine. Er warf einen schrägen Blick auf den Jungen, nur im Fall, dass dieser ziehen sollte.
Ich war erstaunt. Der Junge machte keinen Mucks. Welche Beherrschung für einen Neunzehnjährigen. Nun hatte Billy Kane der Bar seinen Rücken zugewandt. Er sah also weder mich noch den Wirt.
Der Wirt war wieder hinter der Bar hervorgetreten, diesmal mit einem Colt in der Hand. "Hände hoch—Billy Kane"—brüllte er plötzlich. Er stand vor der Bar und hatte seinen Colt auf Billy's Rücken gerichtet und ging schnell aber leise auf ihn zu. Der Wirt wusste dass Billy keine Chance hatte sich umzudrehen und zu schiessen, da war der schon auf Billy gerichtete Colt dann doch schneller.
Doch Billy Kane wusste dass der Wirt nur bluffen konnte. Der Wirt konnte ihn nicht einfach niederschiessen, ohne des Mordes beschuldigt zu werden. Darum hob Billy die Arme nur ein bisschen um sicher zu machen, dass alle sahen, dass er nicht ziehen würde. Sonst hätte der Wirt Grund gehabt sich zu verteidigen und Billy niederzuschiessen. Stattdessen drehte sich Billy langsam um. Darauf hatte der schlaue Wirt gerechnet, denn er hatte sich schon zu Billy hingeschlichen. Gerade als dieser sich umdrehte gab ihm der Wirt eine Linke auf's Kinn dass es nur so dröhnte. Billy ging runter wie ein warmer Käse. Dann hob ihn der Wirt auf als ob er ein schlafendes Kind wäre und schmiess ihn hinaus.
"Nur dass ihr's wisst, ich führe eine reine Bude hier!" brüllte er auf dem Rückweg hinter die Bar.