Die Brüder waren überhaupt Monikas größtes Kreuz; sogar auf gesellschaftlichen Veranstaltungen war sie vor ihnen nicht sicher. War es etwa nötig, daß sie mit zu dem Wohltätigkeitsbasar „Am Posilipp“ kamen?
Zuerst war die Mutter geneigt gewesen, Monikas Protest: „Gymnasiasten gehörten überhaupt noch nicht auf solche Feste!“, anzuerkennen. Aber Alfred hatte die Worte seiner Schwester mit einem Höllenlachen aufgenommen.
„Das könnte Dir wohl so passen, mein Kind, dort ohne unsere Aufsicht rumzukokettieren?“
Und Heinzemännchen hatte erklärt, daß, da doch nun mal seit Papas Tode die ganze Verantwortung auf seinen Schultern läge, er nicht gestatten könne, daß Monika ohne ihn diesen Basar mitmache. Außerdem wünsche er sich von „dem italienischen Stimmungszauber dort lyrisch anregen zu lassen“.
So war denn, Karl ausgenommen, die ganze Familie „Am Posilipp“. So hatte der „Frauenverein zum Wohle von Lungenkranken“ sein dies jähriges Fest getauft. Von allen möglichen und unmöglichen Standorten herunter wehten die weiß-rot-grünen Flaggen Italiens mit dem Wappen des Hauses Savoyen.
An den Wänden roh hingeworfene Dekorationen und Bemalungen, die jetzt das elektrische Licht verklärend und verschönend übergoß.
Ein buntes, wirres Durcheinander von gut und schlecht angezogenen Leuten, von Gesellschaftstoiletten und italienschen Kostümen und auch von anderen Volkstrachten.
Mit der Nationalität schien man es nicht so genau zu nehmen.
Die Damen in den Verkaufsbuden waren in jedem Alter und in jedem Typ vorhanden. Die einzelnen Buden waren hübsch arrangiert. Die feilgebotenen Gegenstände, wie immer bei solchen Gelegenheiten, geschmacklose Ware.
Jede dame patronesse hatte außer den Gehilfinnen in ihrer Bude noch eine Anzahl „fliegender Verkäuferinnen“, junge Mädchen, die wie Bienen emsig und unerschrocken den Saal durchschwirrten, ihren Vorrat an Blumen, Lotterielosen, Zigaretten den Herren anboten und dann von Zeit zu Zeit an ihre Verkaufsstände zurückkehrten, zwar nicht wie die Bienen mit Blütenstaub, sondern mit Mammon beschwert.