Ein tief erzitternder Atemzug hob ihre Brust, als könne sie das Uebermaß von Glück nicht fassen.

Der Konsul hatte sich seine Hochzeitsreise „vernünftig gelegt“. Er war nach Bombay berufen, hatte noch sechs Wochen Urlaub; in Genua wollte man eine Zeit Aufenthalt nehmen, von da nach Rom und Neapel und von da aus zu Schiff weiter.

Die Schiffsreise Hamburg-Genua war durch schlechtes Wetter getrübt worden. Als aber der Dampfer sich dem langgestreckten Hafen von Genua näherte, zerriß der Wolkenschleier am Himmel, und eine strahlende Sonne überflammte Genua la superba, das sich im mächtigen Halbkreis auf den steil ins Meer abfallenden Bergen erhob. Die stolze, uralte Hafenstadt mit dem Gewirr ihrer Gassen und Märkte, mit ihren ragenden Marmorpalästen war ganz in Sonne getaucht und in Sommer. Maiblüten über grauen Mauern bedeckten vielhundertjährigen Marmor mit jungem Leben.

Wenn Monika mit ihrem Gatten durch diese Stadt schritt, wenn sie mit ihm die Treppe zum Dogenpalast betrat oder im Palazzo Rosso vor einem Reiterbildnis von van Dyck stand oder vor Veroneses „Judith und Holofernes“, wenn sie im Boot zu dem Molo Duca di Galliera fuhr, von wo aus man die trotzige Stadt und das trotzige Gebirge in seiner ganzen wilden Schönheit sah, dann fühlte sie: das ist ein Höhepunkt!

Und sie hätte dann der Zeit wie einem allzu feurigen Renner zuschreien mögen: „Halt an!“ Es konnte ja nicht mehr schöner werden!

Und doch wurde es noch schöner. Als sie die kleine Villa fanden, droben in San Lorenzo.

Auf einer Spazierfahrt hatten sie sie gesehn, hatten sie, angelockt durch das Vermietungsplakat, besichtigt, und Monika hatte erklärt, daß sie gern auf Rom, Neapel und alle übrigen Städte des gesegneten Italien verzichten wolle, wenn Georg für den Monat, der ihnen noch an Urlaub blieb, dieses kleine Haus mieten wolle mit seiner großen Terrasse, mit seinem herrlichen Garten über dem Meer.

Georg hatte gezögert. Eigentlich gehörte es zu seinem „Programm“, seiner jungen Frau die Kunstschätze Italiens zu zeigen, aber Monika hatte so herzbewegend gebeten und das Haus war so hübsch, daß er einwilligte. Ueber die Mangelhaftigkeit der italienischen Dienstboten, die man für den Monat nahm, kam er zwar nicht so leicht hinweg, — auch sonst gab es manches zu tadeln, — aber alles in allem fühlte auch er: meines Lebens schönste Zeit!

Sein kühles Herz blühte auf in der heißen Liebe, mit der seine Frau ihn umgab. Seine nüchternen Sinne wurden angeregt durch ihre sprühende Art, ihre stürmische Begeisterung.

Jeder Tag war eine Kette von Wundern.