Liese öffnete die Tür zur Stube. Auch hier herrschte die gleiche bedrückende Luft. Ein großes Bett nahm die eine Längswand ein; es war auf allen vier Seiten von einem roten Kattunvorhang umgeben.

„’n Himmelbett muß der Mensch haben,“ behauptete Liese stolz.

„Und nu kiek mal her, Monchen...“ Triumphierend wies Liese auf die Kommode, wo vier Photographien von Monika in verschiedenen Lebensaltern standen.

„Hier aber is das Feinste for Dich,“ sagte die Liese geheimnisvoll und führte sie ans Fenster. Auf dem Fensterbrett stand ein kleiner Blumentopf, in welchem ein junges Myrtenstämmchen ein kümmerliches Dasein führte. „Für Deinen Brautkranz, Monchen...“

Monika lachte. „Du, die Mama hat gesagt, arme Mädchen werden heutzutage überhaupt nicht geheiratet.“

„Ach, Monchen, so scheen wie Du bist mit Deinem Gesicht wie Milch und Blut — Dir wird früh genug einer holen.“

„Desto besser, Liese, desto besser! Ich denke mir das Heiraten großartig!“

Lachend wandte sich Monika zum Gehen, zuckte aber mit einem Ausruf des Schreckens, als plötzlich aus einer Ecke des Zimmers hinter dem Ofen hervor ein Stöhnen klang.

„Die Ollsche,“ sagte Liese erklärend.

Monika gewahrte dann, daß, in einen Stuhl gekauert, eine uralte Frau hinter dem Ofen saß: sie hielt die Augen geschlossen. In dem von tausend Falten durchfurchten Gesicht zuckte kein Muskel, wie aus Stein gehauen saß sie da.