Er konnte banal sein bis zum Stumpfsinn und geistreich wie selten einer. Er war sehr mißgünstig, sehr händelsüchtig; trotzdem bei vielen beliebt wegen der unvergleichlich witzigen Art, die er oft hatte.

Er malte talentvoll, hatte einen auffallend schönen Bariton — aber alle seine Gaben nutzte er nicht aus, von einem sonderbaren Mißtrauen gegen sich selbst erfüllt.

Stückwerk war er, wie die Birkenschen Kinder alle, wie sie selber auch!

Und Georg tauchte vor ihren Augen auf; der ging nie einen Schritt vom Wege, der ging den schnurgeraden Pfad der Korrektheit, der Sitte, der Pflicht!

Ein trotziges Aufbäumen faßte sie: nein! Die Birkenschen Kinder gingen keinen vorgezeichneten Pfad. Die gingen durch Gestrüpp und auf Irrwege, die nahmen sich, was sie begehrten, und wenn es um den Hals ging. Und wenn man zugrunde ging!

Erschreckend deutlich sah sie vor sich das wunderschöne und ein wenig traurige Jünglingsantlitz des toten Bruders.

Und sie sah Alfreds Zukunft unter Afrikas sengender Sonne, die sein wildes Gehirn immer mehr aufreizte, immer mehr... Und sie sah Heinrich, dessen Energie immer schlaffer wurde in der regen bogenfarbenen Dämmerung der Mystik und der Dichtkunst.

Und sie sah sich selbst, losgelöst von Haus und Herd, voll von strotzender Jugendkraft, voll von heißen Phantasien.

Wie ein böses und trauriges Lied, wie eine unendlich schmerzvolle Melodie klang es ihr im Ohr: „zugrunde gehn?“

Ende des Kapitels