Sie ließ ihre Schwester ungeschlacht erscheinen und dabei sah sie neben dieser Schwester „nach gar nichts“ aus, — kurz, sie beeinträchtigten sich gegenseitig auf das schärfste.
Die Leutnants pendelten ratlos zwischen ihnen hin und her, und das Resultat war, daß immer noch keine von ihnen verlobt war, obwohl ihr Vater keinen innigeren Wunsch hegte.
Außer den beiden waren an jungen Mädchen nur noch einige Gutsbesitzerstöchter aus der Umgegend erschienen, die keine besonderen Attraktionen boten. Und nun eine „Neue“! — Und noch dazu die Tochter eines alten Herrn vom Regiment, des „fidelen Birken“, von dessen Taten man genug gehört. Und noch dazu Monika, die in den ersten fünf Minuten mehr gute Witze gemacht als sonst ein halbes Dutzend junger Mädchen zusammen.
Nachdem sie in möglichster Eile den Damen ihren Knix gemacht, widmete sie sich völlig den Leutnants und entfesselte durch ihre Konversation derartige Lachstürme, daß man im Reiche der Mütter bedenklich die Köpfe zusammensteckte.
Die jungen Frauen fanden den „Kiekindiewelt“ empörend, die jungen Mädchen erklärten sie für „schamlos kokett“.
Monika aber ließ sich die unverhohlene Mißbilligung, die ihr von weiblicher Seite zuteil wurde, nicht anfechten. Sie benahm sich übermütig froh. Ihr war zumute wie in einem Rausch; mit all ihrer unverbrauchten Begeisterung genoß sie diese Stunden, genoß den hohen Saal mit dem strahlenden Licht, die flirtenden Leutnants, die Bewunderung, die aus so viel Männeraugen sprach, und den Tanz, den Tanz, in dem sie selig dahinglitt.
Schade, daß diesem Rausch so bald eine Ernüchterung folgte!
Schon im Schlitten, der die Familie Holtz nach Hause fuhr, begann Marie die Schale ihres Zornes über Monika auszuschütten. Sie sparte nicht mit den schärfsten Ausdrücken, und Frau von Holtz tat ihr nicht wie sonst Einhalt, sondern schwieg verstimmt.
Nur der Onkel, der, bevor er sich zum Whist niedergesetzt, eine Weile dem Tanze zugesehn, wiegte gutmütig den Kopf und murmelte schlaftrunken vor sich hin:
„Die Marjell, — genau wie die Mali! Kokett — kokett.“