Aber sie sagte das nicht mit dem grimmigen Ernst, den sie sonst ihrer Cousine gegenüber anwendete. Auch sie war freudiger Stimmung, in gespannter Erwartung auf die Ereignisse des Abends.

Und dieser Abend versammelte eine fröhliche Menschenmenge im Hahndorfer Kasino.

Wie bei allen Liebhaber-Aufführungen herrschte hinter den Kulissen ein lebhaftes Durcheinander.

Violette behauptete, die Flügel der Phantasie würden nun und nimmer festsitzen, Erika jammerte, das Tänzerinnenkostüm sei viel kürzer, als sie es bestellt.

Der Griechenjüngling fluchte, weil die Bänder seiner Sandalen immer wieder „von selbst aufgingen“, kurz, es herrschte Unruhe auf der ganzen Linie.

Aber endlich erklangen die letzten Töne der Ouvertüre, die eine Rittmeistersgattin mit viel gutem Willen und wenig Talent auf dem Flügel herunterhackte.

Der Vorhang hob sich, das obligate entzückte „Ah“ der Zuschauer:

Violette von Holl als Werthers Lotte, den Brotleib an den üppigen Busen gepreßt, umlagert von einer hungrigen Kinderschar — es waren sämtliche Kinder der Offiziersfamilien aufgeboten worden — in der Tür erscheinend Leutnant von Roßberg als Werther. Er machte ein entschieden unglückliches Gesicht. Ihm waren zu viel Kinder auf der Bühne. Er hatte nun mal eine unüberwindliche Abneigung gegen „Krabben“.

Zu seinem Entsetzen wurde das Bild dreimal gezeigt.

Der Oberst war ganz begeistert; er antizipierte bei dem lieblichen Anblick Großvaterfreuden.