„Ach, es ist komisch, Mamachen, es hat eigentlich niemand Einfluß auf mich. Ich habe so andere Ansichten. Die würde ich ja gern ändern, wenn mich irgend jemand durch Argumente überzeugen könnte. Aber was die andern sagen, das ist nie stichhaltig: das zerfetze ich mit ein paar Worten. — Wenn mich irgend jemand überzeugen könnte, mir eine Direktive geben — mais je ne demande pas mieux.“
„Nun sage lieber bloß schon gleich, was Du angestellt hast,“ sagte das geliebte Heinzemännchen trocken.
„Was ich angestellt habe? Ach, gar nichts. Bloß daß sich der Doktor Schelling in mich verliebt hat.“
„Aha, ein Mann,“ bemerkte Heinrich.
„Na — sozusagen,“ erwiderte Monika gedehnt. „Er ist kleiner als ich und schmäler als ich, und außerdem hinkt er auf dem linken Fuß...“
„Mone, Deine Art, auf Aeußerlichkeiten Gewicht zu legen, ist schrecklich: ich kenne den Doktor Schelling — ein sehr geistreicher, feinsinniger Mann...“
„Aber, Mama, wie er aussieht — direkt verboten!“
„Mone, Du wirst wieder gemütsroh. Wo Du das nur herhast? Wenn ich so denke: das Gemüt, das ich habe! Bei meinem Gemüt, Mone...“
„Gott sei Dank hab’ ich das nicht geerbt, Mama. Aber um auf den Doktor Schelling zurückzukommen: der ist Tante Kläres Seelenfreund, Partisan der Frauenbewegung natürlich. — Großartig, was sich die beiden jeden Tag zwischen fünf und sechs zu erzählen haben. Bertha und ich wurden dann immer mitzugezogen, um zu modernen Mädchen, zu Vollmenschen heranzureifen; ‚neue Horizonte eröffnen‘, nannte das Doktor Schelling.“
„Und Du hast Dich gewiß unpassend benommen?“