Herbst ist gekommen, Frühling ist weit—-
Gab es denn einmal selige Zeit?
Brauende Nebel geisten umher; 5
Schwarz ist das Kraut und der Himmel so leer.
Wär' ich hier nur nicht gegangen im Mai!
Leben und Liebe,—wie flog es vorbei!
* * * * *
107. LUCIE
Ich seh sie noch, ihr Büchlein in der Hand,
Nach jener Bank dort an der Gartenwand
Vom Spiel der andern Kinder sich entfernen;
Sie wußte wohl, es mühte sie das Lernen.
Nicht war sie klug, nicht schön; mir aber war 5
Ihr blaß Gesichtchen und ihr blondes Haar,
Mir war es lieb; aus der Erinnrung Düster
Schaut es mich an; wir waren recht Geschwister.
Ihr schmales Bettchen teilte sie mit mir,
Und nächtens Wang' an Wange schliefen wir; 10
Das war so schön! Noch weht ein Kinderfrieden
Mich an aus jenen Zeiten, die geschieden.
Ein Ende kam;—ein Tag, sie wurde krank
Und lag im Fieber viele Wochen lang;
Ein Morgen dann, wo sanft die Winde gingen, 15
Da ging sie heim; es blühten die Springen.
Die Sonne schien; ich lief ins Feld hinaus
Und weinte laut; dann kam ich still nach Haus.
Wohl zwanzig Jahr und drüber sind vergangen—
An wie viel andrem hat mein Herz gehangen! 20