Sie schauderte vor sich selbst. Wie Totenhände waren sie, wie fremde Hände. Plötzlich fühlte sie eine andere Hand ... ein Fremder war bei ihr im Boot ... ein Toter ... Als gehöre es sich so, fühlte sie die Haare, die Nase, den Mund ... als wenn sie träume ...
Wollte es denn nicht Tag werden?
Über den Dünen wurde es doch schon hell ...
Sie drehte sich wieder um und suchte nach der fremden Hand. Dann zog sie den Toten halb aus dem Wasser und legte ihn mit dem Rücken auf die Ducht.
Der stille Mann war schwer.
Er steckte in Ölzeug. Der Südwester hatte sich in den Nacken geschoben. Die Augen waren weit geöffnet und das Gesicht schneeweiß. Die Lippen waren fest geschlossen.
»Jung,« dachte sie, als sie keinen Bart sah.
Um die Hüften war das Bootstau geknotet – so waren Boot und Mann zusammengeblieben.
»Wer bist du?« murmelte Karen und beugte sich tiefer über ihn, um seine Züge zu erkennen, aber der Tag war noch zu grau.
Wieder schlug eine große See klatschend über den Setzbord.