Hans las Kapitel sechs noch zu Ende. Dann wurde es ihm über und er stieß die Tür auf.

»De Heidenlarm schall uphürn,« scholl es laut und herrisch über den Flur.

Das half auf dem Stutz. Ein paar Teller klapperten noch nach, dann flog die Tür knallend zu, und es wurde still.

Hans Banidt konnte geruhig weiter lesen. Er tat es auch: aber lag es nun daran, daß das siebente Kapitel ihm nicht recht in den Kram paßte, oder daß die Schummerei schon zu hoch vor dem Fenster stand, oder daß da sonst eine kleine Käulnis über die Schallen gelaufen war: – genug, er kam nicht weiter als bis zum dritten Vers. Eine Weile sah er es noch mit an, wie die Reihen durcheinander liefen, dann stand er auf und ging hinaus.

Er wollte nach der Scheune und nach den Kälbern gucken. Aber als er niemand auf der Diele sah, dünkte ihn das nicht mehr so wichtig. Er blieb bei der Küchentür stehen. Ob die auch innen so braunrot gestrichen war? Das ging ihn wohl was an. Ganz gewiß. Er hatte die Klinke schon in der Hand – aber die Küche war leer. Der Singvogel war ausgeflogen. Die Schüsseln standen noch da, und die Schürze lag groß und breit am Boden. So unklug, die feine Schürze so hinzuwerfen. Er mußte sich doch wohl bücken und sie aufheben. Glatt strich er sie auch mit den großen braunen Händen. Und die Spitzen und Fransen am Hals betrachtete er lange mit besonderer Sachkenntnis. Behutsam hängte er sie an den Nagel, und wieder hallte sein schwerer Schritt über die lange, dämmerdunkle Diele. Niemand war zu erblicken. Die Leute waren wohl alle nach dem Deich gegangen und klönten mit den Fahrensleuten.

Die Fülltür stand noch sperrweit offen. Er machte sie zu und spähte wie zufällig über die Wurt.

Dann ging er langsam auf die Bodentreppe zu. Das war keine Art von der Deern, einfach alles stehen und liegen zu lassen. Mir nichts, dir nichts fortzulaufen. Er wollte es ihr sagen. Morgen. Denn heute kam sie ja doch zu spät. Oben in ihrer Stube konnte sie nicht sein. Das war gewiß. Er brauchte gar nicht zuzusehen oder hinzuhören. Nur, damit er seiner Sache gewiß war, stieg er hinauf.

Im Fenster glomm das Abendrot. Und am Fenster stand die Deern. Zwischen den Truhen. Nicht in ihrer Kammer, im langen, braungetäfelten Saal, wo bei den großen Hochzeiten getanzt worden war. Da stand sie, nur im kurzen, roten Röckchen und im Hemd und kämmte sich ihr Haar, das dunkel und schwer auf den Schultern lag. Der Nacken schimmerte weiß aus den Spitzen, und die runden Arme waren rosig vom Schein des Abends. Sie guckte hinaus.

»Uuch, de Bur,« fuhr sie plötzlich herum und lachte ihn an. Aber sie schrie nicht auf wie die andern Mädchen, und lief nicht weg. Sie kämmte ruhig weiter.

Er zog die Stirn in Falten.