Ein grauer, stiller Wintertag will in Dunst und Nebel gehen, wie er gekommen ist. Trübe ist der Himmel, mit farblosen Schatten behangen, und die weite, breite Elbe liegt bleiern und matt da. Auch Blankenese schaut düster und mürrisch drein, als könne es gar nicht blinken und lachen. Einsam kriecht ein Stader Dampfer stromab. Der weiße Rauch verliert sich in dem grauen Einerlei. Ein Tag ohne Sonne. Dem haftet etwas Verlorenes an und etwas Verstimmtes. Wie Schlaf und Tod liegt es auf der Welt, die auf einmal alt geworden zu sein scheint! Und ein Grauen des Vergessens steht in den kahlen Ästen.
An solchen Tagen bringt es mich zu dem alten Harm Holst, der sein kleines Haus am Deich warm und heimlich hält und weder den Ofen, noch die Pfeife ausgehen läßt, auch nicht einmal selbst ausgeht.
Erst macht der struppige Hund wedelnd und niesend seinen Diener, und dann gibt Harm mir nickend und lachend die Hand.
Dann sitzen wir am Fenster.
Nach den Jungen gucken wir, die immer noch fischen und kurren.
Leise nickt er mit dem Kopf: »Da hab ich auch mal gestanden und Stichlinge gefangen.«
»Auch ich,« sage ich langsam, und wie ich so sinne, meine ich, der kleinste aus der Schar zu sein, der am eifrigsten auswirft und am wenigsten fängt.
Dann wird es wieder still.
In der Ecke steht breit und behaglich der hohe Kachelofen, wie eine Bauernfrau, die in ihrer weißen Schürze dasteht und lacht ... leise ... aber doch so, daß es zu hören ist ... Oder sind es die rotbackigen Äpfel, die in der Röhre piepen? Oder ist es der Tee, der in seiner bunten Kanne sein mildes, feines Lied singt? Oben über dem Alkoven aber hängt eine weise, weise Frau aus dem Schwarzwalde, mit rundem, braunem Gesicht und gelben Ketten und Gewichten, und sagt vernehmlich vor sich hin: »Ick weet allns! Ick weet allns!« Plattdeutsch hat sie gut gelernt, aber es langt nur zu den drei Worten: auf eine längere Unterhaltung läßt sie sich nicht ein. Wer alles weiß, der braucht freilich auch nicht mehr viel zu reden.
Harm sagt in die Stille hinein: