»Das ist gewiß so, Gorch. Sieh mal: Bauern kriegt sie nicht. Was tut der Bauer, Gorch? Die Scheune warbelt er zu und die Fenster setzt er mit Luken zu, dann läßt er den Wind suchen und schnauben. Der wird vergrillt und nimmt ein paar Fischerleute beim Flunk. Von denen sind ja genug da!«

»Schwarze Kleider aber noch nicht,« setzte ich düster hinzu.

»Ick weet allns! Ick weet allns!«

»Da war auf dem Kreinhof mal ein großer Bauer, Gorch. Im Frühjahr, wenn es ans Pflügen gehen sollte, fragte er einfach: Wieviel Fischer sind geblieben? Erst wenn es drei waren, holte er den Pflug aus der Scheune. Er wußte, was er tat, Gorch! Waren noch keine Fischer geblieben, so waren auch die Stürme noch nicht dagewesen – und die Stürme gingen mit der Elbe über seinen niedrigen Deich und spülten die Furchen glatt, wenn er vorher gepflügt hatte.«

Die Dämmerung ging säend über das Land und streute tausend dunkle Körner über Weg und Wasser. Die Jungen packten die Netze zusammen, nahmen die Eimer in die Hand und gingen fort, der dampfenden Pfanne und dem rauchenden Stock entgegen.

An der andern Seite, zu Nienstedten und Blankenese, stecken sie die Lichter an, eins nach dem andern. Immer stiller wird es.

Wir bleiben noch in der Schummerei sitzen und haben die Augen auf dem Wasser, über das der Schein der Lampen zittert. Und weil es so geruhig ist und so sinnig und die Formen weicher und unbestimmter werden, weil die Dinge größer und geheimnisvoller erscheinen, erzähle auch ich eine Geschichte, die ich gelesen, von Kai Jans, dem Matrosen, dem Gottsucher, der um die ganze Welt segelte und Hilligenlei suchen wollte und nur von ferne einen großen, guten Menschen stehen sah.

»Hast du dir die Geschichte ausgedacht, Gorch?«

»Nein, ein Dichter, Harm, einer, der früher Pastor gewesen ist, bei Büsum da.«

»Den möcht ich mal sehen, Gorch. Der macht aus Jesus einen Menschen. Das ist gut, Junge. Aber dann mußte er auch aus dem Menschen einen Jesus machen, Gorch. Warum hat er das nicht getan?«