Als die ersten, großen Tropfen fielen, warfen sie die Segel nieder und gingen hinunter, denn bei einem Gewitter an Deck sein, ist der gefährlichen Nähe der Masten wegen nicht gut. Sausend harfte der Wind auf den Wanten, prasselnd schlug der Regen auf das Deck, die Masten erdröhnten, der Ewer zitterte, die Lampe schwankte, die See kam allmählich in leise Bewegung. Geruhig saßen oder lagen die Seefischer unter Deck und horchten. Als das Gewitter halb vorüber war, zogen sie die Ölröcke an und setzten die Segel auf. Und im blauen Schein der letzten Blitze fierten sie die Kurre über Bord, denn nun hatten sie wieder Wind genug.

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Ships that pass in the night ...

Tiefdunkel, samtschwarz ist der Nachthimmel. Die Sterne funkeln um so heller um den Schleier der Milchstraße. Wie tanzt der Orion, wie blitzt die Wega, wie leuchten die Zwillinge, wie strahlt der Himmelswagen, wie gleißt der Aldebaran! Die Weltwiese hat sich aufgetan, die gewaltige Wisch, die mit abertausend weißen und bunten Blumen bewachsen ist und auf der Myriaden von Tautropfen glitzern.

Die riesenhaften schwarzen Segel des Fischerewers aber sind wie urgewaltige dunkle Kühe, die auf der großen Wiese in den Blumen grasen. Ruhig und bedächtig grasen sie, wie Kühe tun, und fressen sich langsam weiter.

Klaus Störtebeker steht bei seinem Vater am Ruder. Gesprochen wird in solchen Nächten nicht viel.

Eine Kühlung, eine leichte, westliche Brise, wandert über die See und gibt den Segeln die Kraft, die Kurre zu ziehen. Rot, grün und gelb spielen die Fischerlichter auf der Dünung. Die Kielfurche leuchtet, als ginge es durch Silber. Wo die Kurrleine ins Wasser taucht, ist sie wie ein diamantenbesetztes Zepter. Leise knarren die Gaffeln oben am Mast und wie im Traum reißt der Klüver, der Jager, das kühnste aller Segel, an seiner Schote, über der Besan aber weht die dunkle Flagge im Nachtwinde. Seemann schläft im Nachthaus neben dem Kompaß und Klaus Mewes geht nach Schifferart auf dem Achterdeck hin und her, die Hände in den Taschen, während Störtebeker das Ruder mit einem Tau regiert, denn Steuern hat er längst gelernt.

Bei sturem Wind und bei Regen singt Klaus Mewes, wenn er allein an Deck ist, er singt auch bei Sonnenschein, aber in solcher Nacht singt er nicht: da fühlt er tief das geheime Leben und Weben seines Ewers, sein Wesen, seine Atemzüge, da haben alle Segel und Wanten, alle Bäume und Masten ihre eigene Sprache. Nächte, die gewesen sind, und Nächte, die noch kommen sollen, stehen vor seiner Seele und dunkle Ahnungen beschleichen ihn, denn jeder Seefischer ist ein Hagen, der ins dunkle Heunenland hinunterzieht. Gedanken über Gedanken kommen ihm entgegen, wie der Wind in die Segel weht, die ihn weit hinaustragen aus der Sehnsucht nach Gesa, nach einem guten Streek und einem schönen Markt, die ihn Auge in Auge mit der Ewigkeit stellen. In solchen Nächten muß er Verklarung über sich selbst tun, der lachende Seefischer, und nicht lachend, sondern ernst beantwortet er seine eigenen Fragen, denn je höher dem Baum die Krone gewachsen ist, desto tiefer streckt sich seine Wurzel — und Klaus Mewes ist ein solcher gewachsener Baum.

Rund um sie herum stehen Lichter auf der See, rote, weiße, grüne, denn sie fischen zwischen Helgoland und dem Weserfeuerschiff, und auf diesen Gründen wimmelt es von Finkenwärdern und Blankenesern. Mitunter ist das Geklapper einer Winsch in der Weite zu hören, wenn sie irgendwo einziehen, mitunter schallen die Rufe zweier Fischer, die einander nahe gekommen sind, abgebrochen herüber.

Dann kommen dunkle Segel an ihnen vorüber, und weil der Laertes wegen seiner Besansflagge leicht ausgemacht ist, so wird hüben und drüben gerufen.