Klaus Mewes fischt auf der Doggerbank.
Sein Ewer ist gut, seine Segel sind stark, seine Leute sind erprobt und für sich selbst kann er auch einstehen: so kurrt er getrost zwischen den Engländern und Holländern und läßt seine deutsche Flagge im Winde wehen. Es verschlägt ihm nichts, wenn die See einmal so grob wird, daß er reffen muß, oder wenn der Wind es so gut meint, daß er das Netz einhieven und treiben lassen muß: gefischt wird doch wieder, und wer die Wache hat, der singt in jeden Wind hinein, denn die Fröhlichkeit von Klaus Mewes erfüllt das ganze Schiff. Nichts fehlt ihnen, als der kleine Klaus Störtebeker, von dem sie noch jeden Tag sprechen.
Im Süden segeln zwei schwere Finkenwärder Austernkutter, als wenn sie binnen wollen: aber Klaus Mewes meint, sie tun es, weil sie die Reise haben, guckt Heben und Wetterglas an und fischt weiter. Gegen Abend kreuzt nur noch ein holländischer Logger bei ihm, aber er ist noch ohne Mißtrauen und geht geruhig zu Koje.
In der Nacht ruft Kap Horn, der die Wache hat, zum Reffen. Sie verkleinern die Segel durch teilweises Zusammenrollen und Festbinden, denn es ist stur geworden, dann geht Klaus Mewes aber noch wieder zu Bett, um noch einen Stremel zu schlafen, und Hein Mück tut dasselbe, denn das Wetterglas ist schon öfters gefallen, und auf Kap Horn, den Altbefahrenen, können sie sich verlassen wie auf den Deich bei springender Tide.
Nach einer Stunde ruft der Knecht abermals. Es ist zu stur geworden und er muß befürchten, daß der jagende Ewer die Kurrleine abreiße. Klaus Mewes guckt in den Wind und ist damit einverstanden, daß sie einziehen. In schwerer Arbeit bergen sie die Kurre und die gefangenen Fische, dann schickt er die Leute zu Koje und übernimmt selbst die Wache. Im Sturm gehört das Ruder ihm, dem Schiffer!
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Bis gegen Morgen hielt er den Ewer allein, immer scharf am Winde, so daß die Segel eben zwischen Klappern und Vollfallen standen, und hatte keine Haverei, so viel Wasser er auch überbekam und so stark der Ewer auch stampfte und schlingerte. Der Wind war Nordwest zum Westen und wehte etwa in Stärke 8 nach dem alten englischen Admiral Beaufort.
Da mit einem Male legte er sich gänzlich — ganz still wurde die Luft. Mit schlaffen, schlagenden Segeln, furchtbar knarrenden Gaffeln und donnernden Schoten dümpelte der Ewer in der hohen Dünung.
Klaus Mewes rief seine Leute, denn er traute dieser Stille nicht. Sie machten sich klar zum Sturm, der kommen mußte, denn das Wetterglas fiel rasend. Kurrbaum und Kurre wurden unter Deck verstaut, das Boot wurde ausgepackt und mit doppelten Ketten umwunden, damit es nicht über Bord gehe, das Bugspriet wurde eingezogen und Plichten und Luken wurden geschalkt. Auch sich selbst machten die Seefischer sturmbereit, dann steckten sie das zweite Reff in die Segel — und dann kam der Sturm wieder, diesmal aber von der andern Seite und furchtbarer an Gewalt. Es trommelte und pfiff im Südwesten, als wenn ein Heer in der Schlacht zum Stürmen lärmte, der weiße Geifer floß aus dem Maul des Untieres, das brüllend auf sie zukam und sich wütend auf sie warf, daß die Masten sich bogen und Hein Mück laut aufschrie. Einen Augenblick schien es, als wenn der Ewer dem ersten, gräßlichen Anprall nicht standhielte, als wenn er umkippte, aber es schien nur so, denn Klaus Mewes war auf der Hut und riß ihn auf. Wie brauste es in den Lüften, wie erhob sich die See, wie tanzte der Ewer! Wenn er mit dem Kopf tauchte, stand er mit dem Achtersteven so hoch, daß es aussah, als überschlüge er sich, und erhob er den Bug hoch aus der See, so zeigte er das tränenüberströmte Gesicht eines Riesen: das Wasser rann ihm aus den Klüsenaugen und über die Backen. Wenn nur die Masten nicht über Bord gingen, wenn nur die Luken nicht zerschlagen wurden!
Südweststurm —