„Ik will di bi magnix! Gliek anto!“
Da mußte er sich geben, und als er erst in der Küche am Tisch saß, da schmeckte es auch. Wann hätte es Klaus Störtebeker übrigens nicht geschmeckt? Nach dem Kaffee wusch sie ihm das Gesicht. Er hielt ausnahmsweise still, obgleich er sich schon selbst waschen konnte und obgleich er genau wußte, daß sie es nur tat, um ihm dabei die Backen eien zu können. Als sie dann aber nach seiner Bunge fragte und nach der Krähe (denn sie hatte sich fest vorgenommen, sein Vertrauen zurückzugewinnen, wollte auch nicht mehr so streng gegen ihn sein, sondern versuchen, seine Kameradin zu werden), da ging er bald hinaus, denn diese Fragen schienen ihm recht verfänglich. So guckt der Spatz mißtrauisch vom Dach, wenn ihm Krumen gestreut werden.
Da, beim Schloß von Godeffroy, der guten Frau, wie es am Deich hieß, segelte der Ewer — viel weiter war er noch nicht gekommen, denn es war immer noch totstill.
Störtebeker besann sich, daß er noch nicht gefüttert hatte. Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes, auch wenn er Kummer hat. Er ging über die Wurt nach dem Hof und warf den Kaninchen Kartoffelschalen hinein, aber trotz seines wehen Herzens konnte er sich nicht enthalten, der Eve den Bauch zu befühlen, denn er wartete sehr darauf, daß sie jungen sollte, hatte er doch schon fünf Junge fest versagt: Hein Meier kriegte einen Bock und eine Eve, Peter Fock einen Bock, Hannis Külper, Jan Loop jeder eine Eve.
Dann bekam die Nebelkrähe ihren aufgeweichten Stuten. Der struppige Kluß schlug mit den Flügeln und quarkte vergnügt über das Fressen: Störtebeker faßte es aber anders auf und sagte betrübt: „Jä, Kluß, Vadder is nu no See hin un hett mi ne Adjüst seggt!“
Da sah er am Schauer seine Kreek stehen und dachte: wenn du damit über das Eis pektest, ganz nach Blankenese hinunter, könntest du deinen Vater noch sehen und ihm Adjüst sagen. „Ik mütt un mütt em Adjüst seggen!“ Er suchte die Pek her, nahm die Kreek auf den Nacken und schlich wie ein Indianer den Binnendeich entlang, damit die Mutter ihn nicht gewahr werden sollte. Als er weit genug war, kletterte er über den Deich, sprang vom Bollwerk auf das Eis und pekte sich über Rillen und Sickberge, an Waken und offenen Stellen vorbei nach dem Fahrwasser.
Vadder, ik komm!
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Der Schuster war ein Schlauer. Er wartete geruhig ab, daß der Polizist auf seinem gewohnten Rundgang den Deich entlang kam, und schloß sich dann dem ahnungslosen Beamten unter harmlosen Gesprächen an, um sich ein wenig zu verpetten, wie er meinte. So dachte er dem droken Klaus Störtebeker einen großen Schrecken einzujagen.
Aber er hatte seine Arbeit umsonst liegen lassen — der Vogel war nicht da. Die ängstliche Gesa suchte den Jungen im Keller und auf dem Boden, als sie ihn dort aber nicht fand, nahm sie an, daß er geflohen sei, ließ sich kopfschüttelnd die schlimme Tat berichten und bezahlte die Scheibe und die Kugel. Auch versprach sie dem Schuster, daß Klaus kommen und Abbitte tun solle, gab ihm noch ein Paar alter Stiefel zum Besohlen und Vorschuhen mit und brachte den Zwischenfall damit auch glücklich wieder in die Reihe.