Hoffentlich dienen dem Zweck dieser Vertiefung das ausführliche Inhaltsverzeichnis, das die behandelten Thesen der Reihe nach formuliert und das ebenso ausführliche Namen- und Sachregister, das die erörterten Grundbegriffe in alphabetischer Folge darstellt. Beide zeigen, wie viel Gedankenarbeit der Verfasser selbst übernimmt und wieviel er seinen Lesern zumutet. Die letztere ist nicht geringer als die erstere. Es gibt Wissenschaften, die man sich nicht aneignen kann ohne selbst an der Forschungsarbeit teil zu nehmen, das Lernen ist hier bedingt durch das Mitforschen. Zu diesen Wissenschaften gehört in erster Linie die Erkenntnistheorie. Es wäre für mich leichter gewesen bei den einzelnen Fragen länger zu verweilen und ihre Behandlung umfangreicher zu gestalten, wohl auch [pg VIII] bequemer für den Leser. Es lag so nahe zu diesem Zweck die gewohnte und geläufige Form von Vorlesungen zu wählen, wie ich sie über diese Fragen oft gehalten habe. Was ich hier biete ist nur ein gedrängter Auszug aus diesen Vorlesungen, den ich am Schluss derselben zu diktieren und zur Grundlage von seminaristischen Übungen zu machen pflege. Nach meinen Erfahrungen regt gerade diese gekürzte Form der Darstellung am meisten zum Selbstdenken an. Sache des Lesers ist es bei den einzelnen Gedanken stehen zu bleiben und zu diesem Zweck für die erste Durcharbeitung das Inhaltsverzeichnis allein, für die wiederholte Durcharbeitung das Inhaltsverzeichnis und Register zu benutzen. Ich möchte das auch manchen Fachgenossen empfehlen, namentlich denen, die über eine mehr als »mittlere Begabung« verfügen. Jedenfalls bin ich dann vor Missverständnissen geschützt, wie sie in der Philosophie an der Tagesordnung sind. Ich bemerke noch, dass die Zusammengehörigkeit, der Grundbegriff meiner 1893 erschienenen Psychologie des Erkennens auch den Grundbegriff dieser Erkenntnistheorie bildet.
Halle, 14. Juni 1901.
Inhaltsverzeichnis.
Die Wahrheit und unser Wissen.
Erster Hauptteil.
Die Wahrheit.
Erster Abschnitt: Was ist Wahrheit?
Erste Untersuchung.