Henriette. Nein, sie soll nicht.
Lisette. Sie wissen wohl, ich gehöre heute Mamsell Henrietten.
Henriette. Aber bei dem allen sieh dich vor, Schwester! Wenn mir dein Theophan aufstößt, so sollst du sehen, was geschieht. Sie dürfen nicht denken, Adrast, daß ich dieses sage, um Sie eifersüchtig zu machen. Ich fühle es in der Tat, daß ich anfange, Sie zu hassen.
Adrast. Es möchte Ihnen auch schwerlich gelingen, mich eifersüchtig zu machen.
Henriette. Oh! das wäre vortrefflich, wenn Sie mir hierinne gleich wären. Alsdann, erst alsdann würde unsre Ehe eine recht glückliche Ehe werden. Freuen Sie sich, Adrast! wie verächtlich wollen wir einander begegnen!—Du willst antworten, Schwester? Nun ist es Zeit. Fort, Lisette!
Dritter Auftritt
Adrast. Juliane.
Juliane. Adrast, Sie werden Geduld mit ihr haben müssen.—Sie verdient es aber auch; denn sie hat das beste Herz von der Welt, so verdächtig es ihre Zunge zu machen sucht.
Adrast. Allzugütige Juliane! Sie hat das Glück, Ihre Schwester zu sein; aber wie schlecht macht sie sich dieses Glück zunutze? Ich entschuldige jedes Frauenzimmer, das ohne merkliche Fehler nicht hat aufwachsen können, weil es ohne Erziehung und Beispiele hat aufwachsen müssen; aber ein Frauenzimmer zu entschuldigen, das eine Juliane zum Muster gehabt hat, und eine Henriette geworden ist: bis dahin langt meine Höflichkeit nicht.—
Juliane. Sie sind aufgebracht, Adrast: wie könnten Sie billig sein?