Zweiter Auftritt
Adrast.—Was für ein neuer Streich!—Ich kann nicht wieder zur mir selbst kommen!—Es ist nicht auszuhalten!—Verachtungen, Beleidigungen, —Beleidigungen in dem Gegenstande, der ihm der liebste sein muß:— alles ist umsonst; nichts will er fühlen. Was kann ihn so verhärten? Die Bosheit allein, die Begierde allein, seine Rache reif werden zu lassen.—Wen sollte dieser Mann nicht hinter das Licht führen? Ich weiß nicht, was ich denken soll. Er dringt seine Wohltaten mit einer Art auf—Aber verwünscht sind seine Wohltaten, und seine Art! Und wenn auch keine Schlange unter diesen Blumen läge, so würde ich ihn doch nicht anders als hassen können. Hassen werde ich ihn, und wenn er mir das Leben rettete. Er hat mir das geraubt, was kostbarer ist, als das Leben: das Herz meiner Juliane; ein Raub, den er nicht ersetzen kann, und wenn er sich mir zu eigen schenkte. Doch er will ihn nicht ersetzen; ich dichte ihm noch eine zu gute Meinung an.—
Dritter Auftritt
Theophan. Adrast.
Theophan. In welcher heftigen Bewegung treffe ich Sie abermals Adrast?
Adrast. Sie ist Ihr Werk.
Theophan. So muß sie eines von denen Werken sein, die wir alsdann wider unsern Willen hervorbringen, wann wir uns am meisten nach ihrem Gegenteile bestreben. Ich wünsche nichts, als Sie ruhig zu sehen, damit Sie mit kaltem Blute von einer Sache mit mir reden könnten, die uns beide nicht näher angehen kann.
Adrast. Nicht wahr, Theophan? es ist der höchste Grad der List, wenn man alle seine Streiche so zu spielen weiß, daß die, denen man sie spielt, selbst nicht wissen, ob und was für Vorwürfe sie uns machen sollen?
Theophan. Ohne Zweifel.
Adrast. Wünschen Sie sich Glück: Sie haben diesen Grad erreicht.