Lisidor. Und Henriette?

Adrast. Es sei ferne, daß ich Henrietten irgend eine Tugend absprechen sollte. Aber es gibt ein gewisses Äußeres, welches sie schwerlich vermuten ließe, wenn man nicht andre Gründe für sie hätte. Julianens gesetzte Anmut, ihre ungezwungene Bescheidenheit, ihre ruhige Freude, ihre—

Lisidor. Und Henriettens?

Adrast. Henriettens wilde Annehmlichkeiten, ihre wohl lassende
Dreustigkeit, ihre fröhlichen Entzückungen stechen mit den gründlichen
Eigenschaften ihrer Schwester vortrefflich ab. Aber Juliane gewinnt
dabei—

Lisidor. Und Henriette?

Adrast. Verlieret dabei nichts. Nur daß Juliane—

Lisidor. Ho! ho! Herr Adrast, ich will doch nicht hoffen, daß Sie auch an der Narrheit krank liegen, welche die Leute nur das für gut und schön erkennen läßt, was sie nicht bekommen können. Wer Henker hat Sie denn gedungen, Julianen zu loben?

Adrast. Fallen Sie auf nichts Widriges. Ich habe bloß zeigen wollen, daß mich die Liebe für meine Henriette gegen die Vorzüge ihrer Schwester nicht blind mache.

Lisidor. Nu, nu! wenn das ist, so mag es hingehen. Sie ist auch gewiß ein gutes Kind, die Juliane. Sie ist der Augapfel ihrer Großmutter. Und das gute, alte Weib hat tausendmal gesagt, die Freude über ihr Julchen erhielte sie noch am Leben.

Adrast. Ach!