Damis. Stören? Ich sollte glauben, daß Sie mich zu stören kämen?
Nein, Valer, ich kenne Sie zu wohl; Sie kommen, mir die angenehmsten
Neuigkeiten zu hinterbringen, die der Aufmerksamkeit eines Gelehrten,
der seine Belohnung erwartet, würdig sind.—Einen Stuhl, Anton!
—Setzen Sie sich.
Valer. Sie irren sich, liebster Freund. Ich komme, Ihnen die
Unbeständigkeit Ihres Vaters zu klagen; ich komme, eine Erklärung von
Ihnen zu verlangen, von welcher mein ganzes Glück abhängen wird.—
Damis. Oh! ich konnte es Ihnen gleich ansehen, daß Sie vorhin die Gegenwart meines Vaters abhielt, sich mit mir vertraulicher zu besprechen und mir Ihre Freude über die Ehre zu bezeigen, die mir der billige Ausspruch der Akademie—
Valer. Nein, allzu gelehrter Freund; lassen Sie uns einen Augenblick von etwas minder Gleichgültigem reden.
Damis. Von etwas minder Gleichgültigem? Also ist Ihnen meine Ehre gleichgültig? Falscher Freund!—
Valer. Ihnen wird diese Benennung zukommen, wann Sie mich länger von dem, was für ein zärtliches Herz das wichtigste ist, abbringen werden. Ist es wahr, daß Sie Julianen heiraten wollen? daß Ihr Vater dieses allzu zärtliche Frauenzimmer durch Bande der Dankbarkeit binden will, in seiner Wahl minder frei zu handeln? Habe ich Ihnen jemals aus meiner Neigung gegen Julianen ein Geheimnis gemacht? Haben Sie mir nicht von jeher versprochen, meiner Liebe behilflich zu sein?
Damis. Sie ereifern sich, Valer; und vergessen, daß ein Weibsbild die
Ursache ist. Schlagen Sie sich diese Kleinigkeit aus dem Sinne—Sie
müssen in Berlin gewesen sein, da die Akademie den Preis auf dieses
Jahr ausgeteilet hat. Die Monaden sind die Aufgabe gewesen. Sollten
Sie nicht etwa gehört haben, daß die Devise—
Valer. Wie grausam sind Sie, Damis! So antworten Sie mir doch!
Damis. Und Sie wollen mir nicht antworten? Besinnen Sie sich; sollte nicht die Devise Unum est necessarium sein gekrönt worden? Ich schmeichle mir wenigstens—
Valer. Bald schmeichle ich mir nun mit nichts mehr, da ich Sie so ausschweifend sehe. Bald werde ich nun auch glauben müssen, daß die Nachricht, die ich für eine Spötterei von Lisetten gehalten habe, gegründet sei. Sie halten Julianen für Ihrer unwert, Sie halten sie für die Schande ihres Geschlechts, und eben deswegen wollen Sie sie heiraten? Was für ein ungeheurer Einfall!