Damis. Ganz recht; wenn die wahre Gelehrsamkeit nicht so schwer zu erlangen, die natürliche Fähigkeit dazu gemeiner und ein unermüdeter Fleiß nicht so etwas Beschwerliches wären—

Valer. Ha! ha! ha!

Damis. Das Lachen eines wahren Idioten!

Valer. Sie reden von Ihrer Gelehrsamkeit, und ich, mit Vergebung, wollte von Ihrer Torheit reden. Hierin, meinte ich, würden Sie mehrere Ihresgleichen finden, wenn selbst diese Torheit ihren Sklaven nicht zur Last werden müßte.

Damis. Verdienen Sie also, daß ich Ihnen antworte? (Sieht wieder in sein Buch.)

Valer. Und verdienen Sie wohl, daß ich noch Freundes genug bin, mit
Ihnen ohne Verstellung zu reden? Glauben Sie mir, Sie werden Ihre
Torheiten bei mehreren Verstande bereuen—

Damis. Bei mehreren Verstande? (Spöttisch.)

Valer. Werden Sie darüber ungehalten? Das ist wunderbar! Ihr Körper kann, Ihren Jahren nach, noch nicht ausgewachsen haben, und Sie glauben, daß Ihre Seele gleichwohl schon zu ihrer möglichen Vollkommenheit gelanget sei? Ich würde den für meinen Feind halten, welcher mir den Vorzug, täglich zu mehrerm Verstande zu kommen, streitig machen wollte.

Damis. Sie!

Valer. Sie werden so spöttisch, mein Herr Nebenbuhler—Doch da ist sie selbst! (Läuft ihr entgegen.) Ah, Juliane—