Vielmehr sind dergleichen Speculationen—mögen sie im Einzeln doch ausfallen, wie sie wollen—unstreitig die schicklichsten Uebungen des menschlichen Verstandes überhaupt, so lange das menschliche Herz überhaupt, höchstens nur vermögend ist, die Tugend wegen ihrer ewigen glückseligen Folgen zu lieben.
§. 80.
Denn bey dieser Eigennützigkeit des menschlichen Herzens, auch den Verstand nur allein an dem üben wollen, was unsere körperlichen Bedürfnisse betrift, würde ihn mehr stumpfen, als wetzen heissen. Er will schlechterdings an geistigen Gegenständen geübt seyn, wenn er zu seiner völligen Aufklärung gelangen, und diejenige Reinigkeit des Herzens hervorbringen soll, die uns, die Tugend um ihrer selbst willen zu lieben, fähig macht.
§. 81.
Oder soll das menschliche Geschlecht auf diese höchste Stufen der
Aufklärung und Reinigkeit nie kommen? Nie?
§. 82.
Nie?—Laß mich diese Lästerung nicht denken, Allgütiger!—Die
Erziehung hat ihr Ziel; bey dem Geschlechte nicht weniger als bey dem
Einzeln. Was erzogen wird, wird zu Etwas erzogen.
§. 83.
Die schmeichelnden Aussichten, die man dem Jünglinge eröfnet; die Ehre, der Wohlstand, die man ihm vorspiegelt: was sind sie mehr, als Mittel, ihn zum Manne zu erziehen, der auch dann, wenn diese Aussichten der Ehre und des Wohlstandes wegfallen, seine Pflicht zu thun vermögend sey.
§. 84.