Der Reisende. Meine Freundschaft bedeutet so wenig; daß das bloße
Verlangen darnach ein genugsames Verdienst ist, sie zu erhalten. Ihre
Bitte ist weit mehr wert, als das, was Sie bitten.
Der Baron. Oh, mein Herr, die Freundschaft eines Wohltäters-Der Reisende. Erlauben Sie,—ist keine Freundschaft. Wenn Sie mich unter dieser falschen Gestalt betrachten, so kann ich Ihr Freund nicht sein. Gesetzt einen Augenblick, ich wäre Ihr Wohltäter: würde ich nicht zu befürchten haben, daß Ihre Freundschaft nichts, als eine wirksame Dankbarkeit wäre?
Der Baron. Sollte sich beides nicht verbinden lassen?
Der Reisende. Sehr schwer! Diese hält ein edles Gemüt für seine
Pflicht; jene erfodert lauter willkürliche Bewegungen der Seele.
Der Baron. Aber wie sollte ich—Ihr allzu zärtlicher Geschmack macht mich ganz verwirrt.—
Der Reisende. Schätzen Sie mich nur nicht höher, als ich es verdiene. Aufs höchste bin ich ein Mensch, der seine Schuldigkeit mit Vergnügen getan hat. Die Schuldigkeit an sich selbst ist keiner Dankbarkeit wert. Daß ich sie aber mit Vergnügen getan habe, dafür bin ich genugsam durch Ihre Freundschaft belohnt.
Der Baron. Diese Großmut verwirrt mich nur noch mehr.—Aber ich bin vielleicht zu verwegen.—Ich habe mich noch nicht unterstehen wollen, nach Ihrem Namen, nach Ihrem Stande zu fragen.—Vielleicht biete ich meine Freundschaft einem an, der—der sie zu verachten—
Der Reisende. Verzeihen Sie, mein Herr!—Sie—Sie machen sich—Sie haben allzu große Gedanken von mir.
Der Baron (beiseite). Soll ich ihn wohl fragen? Er kann meine
Neugierde übelnehmen.
Der Reisende (beiseite). Wenn er mich fragt, was werde ich ihm antworten?