Lisette. Aber,—ich sitze verzweifelt hart.—Ich glaube gar, es sind
Bücher darin—
Christoph. Darzu recht zärtliche und witzige;—und gleichwohl sitzen Sie hart darauf? Es ist meines Herrn Reisebibliothek. Sie besteht aus Lustspielen, die zum Weinen, und aus Trauerspielen, die zum Lachen bewegen; aus zärtlichen Heldengedichten; aus tiefsinnigen Trinkliedern, und was dergleichen neue Siebensachen mehr sind.—Doch wir wollen umwechseln. Setzen Sie sich auf meinen;—ohne Umstände!—meiner ist der weichste.
Lisette. Verzeihen Sie! So grob werde ich nicht sein—
Christoph. Ohne Umstände,—ohne Komplimente!—Wollen Sie nicht?—So werde ich Sie hintragen.—
Lisette. Weil Sie es denn befehlen—(Sie steht auf und will sich auf den andern setzen.)
Christoph. Befehlen? behüte Gott!—Nein! befehlen will viel sagen. —Wenn Sie es so nehmen wollen, so bleiben Sie lieber sitzen.—(Er setzt sich wieder auf seinen Mantelsack.)
Lisette (beiseite). Der Grobian! Doch ich muß es gut sein lassen—
Christoph. Wo blieben wir denn?—Ja,—bei der Liebe—Ich liebe Sie also, Mamsell. Je vous aime, würde ich sagen, wenn Sie eine französische Marquisin wären.
Lisette. Der Geier! Sie sind wohl gar ein Franzose?
Christoph. Nein, ich muß meine Schande gestehn: ich bin nur ein Deutscher.—Aber ich habe das Glück gehabt, mit verschiedenen Franzosen umgehen zu können, und da habe ich denn so ziemlich gelernt, was zu einem rechtschaffnen Kerl gehört. Ich glaube, man sieht mir es auch gleich an.