Lisette. Von dem werde ich wenig erfahren können. Entweder, er ist zu dumm, oder zu fein. Und beides macht unergründlich.
Martin Krumm. So, Jungfer Lisette? Das ist auch der Kerl darnach, daß er mich ausstechen sollte!
Lisette. Das hat er nicht nötig gehabt.
Martin Krumm. Nicht nötig gehabt? Und ich denke, wer weiß wie fest ich in Ihrem Herzen sitze.
Lisette. Das macht, Herr Vogt, Er denkt's. Leute von Seiner Art haben das Recht, abgeschmackt zu denken. Drum ärgre ich mich auch nicht darüber, daß Er's gedacht hat; sondern, daß Er mir's gesagt hat. Ich möchte wissen, was Ihn mein Herz angeht? Mit was für Gefälligkeiten, mit was für Geschenken hat Er sich denn ein Recht darauf erworben?—Man gibt die Herzen jetzt nicht mehr, so in den Tag hinein, weg. Und glaubt Er etwa, daß ich so verlegen mit dem meinigen bin? Ich werde schon noch einen ehrlichen Mann dazu finden, ehe ich's vor die Säue werfe.
Martin Krumm. Der Teufel, das verschnupft! Ich muß eine Prise Tabak darauf nehmen.—Vielleicht geht es wieder mit dem Niesen fort.—(Er zieht die entwende Dose hervor, spielt einige Zeit in den Händen damit, und nimmt endlich, auf eine lächerlich hochmütige Art, eine Prise.)
Lisette (schielt ihn von der Seite an). Verzweifelt! wo bekömmt der
Kerl die Dose her?
Martin Krumm. Belieben Sie ein Prischen?
Lisette. Oh, Ihre untertänige Magd, mein Herr Vogt! (Sie nimmt.)
Martin Krumm. Was eine silberne Dose nicht kann!—Könnte ein
Ohrwürmchen geschmeidiger sein?