Lisette. Wahrhaftig, so ein Geschenk könnte ein Frauenzimmer recht verblenden! Sie können Ihr Glück damit machen, Herr Vogt. Ich wenigstens würde mich, wenn man mich mit silbernen Dosen anfiele, sehr schlecht verteidigen können. Mit so einer Dose hätte ein Liebhaber gegen mich gewonnen Spiel.
Martin Krumm. Ich versteh's, ich versteh's!
Lisette. Da sie Ihnen so nichts kostet, wollte ich Ihnen raten, Herr
Vogt, sich eine gute Freundin damit zu machen—
Martin Krumm. Ich versteh's, ich versteh's!-Lisette (schmeichelnd).
Wollten Sie mir sie wohl schenken?—
Martin Krumm. O um Verzeihung!—Man gibt die silbernen Dosen jetzt nicht mehr, so in den Tag hinein, weg. Und glaubt Sie denn, Jungfer Lisette, daß ich so verlegen mit der meinigen bin? Ich werde schon noch einen ehrlichen Mann dazu finden, ehe ich sie vor die Säue werfe.
Lisette. Hat man jemals eine dümmre Grobheit gefunden!—Ein Herz einer Schnupftabaksdose gleich zu schätzen?
Martin Krumm. Ja, ein steinern Herz einer silbern Schnupftabaksdose—
Lisette. Vielleicht würde es aufhören, steinern zu sein, wenn—Doch alle meine Reden sind vergebens—Er ist meiner Liebe nicht wert—Was ich für eine gutherzige Närrin bin!—(will weinen) beinahe hätte ich geglaubt, der Vogt wäre noch einer von den ehrlichen Leuten, die es meinen, wie sie es reden—
Martin Krumm. Und was ich für ein gutherziger Narre bin, daß ich glaube, ein Frauenzimmer meine es, wie sie es red't!—Da, mein Lisettchen, weine Sie nicht!—(Er gibt ihr die Dose.)—Aber nun bin ich doch wohl Ihrer Liebe wert?—Zum Anfange verlange ich nichts, als nur ein Küßchen auf Ihre schöne Hand!—(Er küßt sie.) Ah, wie schmeckt das!
Zwölfter Auftritt