Der Prinz. So verzeihen Sie mir, Marinelli—(indem er sich ihm in die
Arme wirft) und bedaueren Sie mich.
Marinelli. Nun da, Prinz! Erkennen Sie da die Frucht Ihrer Zurückhaltung!—"Fürsten haben keinen Freund! können keinen Freund haben!"—Und die Ursache, wenn dem so ist?—Weil sie keinen haben wollen.—Heute beehren sie uns mit ihrem Vertrauen, teilen uns ihre geheimsten Wünsche mit, schließen uns ihre ganze Seele auf: und morgen sind wir ihnen wieder so fremd, als hätten sie nie ein Wort mit uns gewechselt.
Der Prinz. Ah! Marinelli, wie konnt' ich Ihnen vertrauen, was ich mir selbst kaum gestehen wollte?
Marinelli. Und also wohl noch weniger der Urheberin Ihrer Qual gestanden haben?
Der Prinz. Ihr?—Alle meine Mühe ist vergebens gewesen, sie ein zweites Mal zu sprechen.
Marinelli. Und das erstemal.
Der Prinz. Sprach ich sie—Oh, ich komme von Sinnen! Und ich soll Ihnen noch lange erzählen?—Sie sehen mich einen Raub der Wellen: was fragen Sie viel, wie ich es geworden? Retten Sie mich, wenn Sie können: und fragen Sie dann.
Marinelli. Retten? ist da viel zu retten?—Was Sie versäumt haben, gnädiger Herr, der Emilia Galotti zu bekennen, das bekennen Sie nun der Gräfin Appiani. Waren, die man aus der ersten Hand nicht haben kann, kauft man aus der zweiten:—und solche Waren nicht selten aus der zweiten um so viel wohlfeiler.
Der Prinz. Ernsthaft, Marinelli, ernsthaft, oder—
Marinelli. Freilich, auch um so viel schlechter.