Der Prinz. Sogleich! sogleich!—Wo blieb es?—(Sich nach dem Porträte umsehend.) Auf der Erde? das war zu arg! (Indem er es aufhebt.) Doch betrachten? betrachten mag ich dich fürs erste nicht mehr.—Warum sollt' ich mir den Pfeil noch tiefer in die Wunde drücken? (Setzt es beiseite)—Geschmachtet, geseufzet hab ich lange genug—länger als ich gesollt hätte: aber nichts getan! und über die zärtliche Untätigkeit bei einem Haar alles verloren!—Und wenn nun doch alles verloren wäre? Wenn Marinelli nichts ausrichtete?—Warum will ich mich auch auf ihn allein verlassen? Es fällt mir ein—um diese Stunde (nach der Uhr sehend), um diese nämliche Stunde pflegt das fromme Mädchen alle Morgen bei den Dominikanern die Messe zu hören.—Wie, wenn ich sie da zu sprechen suchte?—Doch heute, heut an ihrem Hochzeittage—heute werden ihr andere Dinge am Herzen liegen als die Messe.—Indes, wer weiß?—Es ist ein Gang.—(Er klingelt, und indem er einige von den Papieren auf dem Tische hastig zusammenrafft, tritt der Kammerdiener herein.) Laßt vorfahren!—Ist noch keiner von den Räten da?
Der Kammerdiener. Camillo Rota.
Der Prinz. Er soll hereinkommen. (Der Kammerdiener geht ab.) Nur aufhalten muß er mich nicht wollen. Dasmal nicht!—Ich stehe gern seinen Bedenklichkeiten ein andermal um so viel länger zu Diensten. —Da war ja noch die Bittschrift einer Emilia Bruneschi.—(Sie suchend.) Die ist's.—Aber, gute Bruneschi, wo deine Vorsprecherin Achter Auftritt
Camillo Rota, Schriften in der Hand. Der Prinz.
Der Prinz. Kommen Sie, Rota, kommen Sie.—Hier ist, was ich diesen Morgen erbrochen. Nicht viel Tröstliches!—Sie werden von selbst sehen, was darauf zu verfügen.—Nehmen Sie nur.
Camillo Rota. Gut, gnädiger Herr.
Der Prinz. Noch ist hier eine Bittschrift einer Emilia Galot..
Bruneschi will ich sagen.—Ich habe meine Bewilligung zwar schon
beigeschrieben. Aber doch—die Sache ist keine Kleinigkeit.—Lassen
Sie die Ausfertigung noch anstehen.—Oder auch nicht anstehen: wie
Sie wollen.
Camillo Rota. Nicht wie ich will, gnädiger Herr.
Der Prinz. Was ist sonst? Etwas zu unterschreiben?
Camillo Rota. Ein Todesurteil wäre zu unterschreiben.