Marinelli. Mit vielem Vergnügen, gnädige Frau.

Claudia. Halten Sie!—Eben fällt mir es bei—Sie waren es ja—nicht?—der den Grafen diesen Morgen in meinem Hause aufsuchte? mit dem ich ihn allein ließ? mit dem er Streit bekam?

Marinelli. Streit?—Was ich nicht wüßte: ein unbedeutender
Wortwechsel in herrschaftlichen Angelegenheiten.

Claudia. Und Marinelli heißen Sie?

Marinelli. Marchese Marinelli.

Claudia. So ist es richtig.—Hören Sie doch, Herr Marchese.
—Marinelli war—der Name Marinelli war—begleitet mit einer
Verwünschung—Nein, daß ich den edeln Mann nicht verleumde!—begleitet
mit keiner Verwünschung—Die Verwünschung denk ich hinzu—Der Name
Marinelli war das letzte Wort des sterbenden Grafen.

Marinelli. Des sterbenden Grafen? Grafen Appiani?—Sie hören, gnädige Frau, was mir in Ihrer seltsamen Rede am meisten auffällt. —Des sterbenden Grafen?—Was Sie sonst sagen wollen, versteh ich nicht.

Claudia (bitter und langsam). Der Name Marinelli war das letzte Wort des sterbenden Grafen!—Verstehen Sie nun?—Ich verstand es erst auch nicht, obschon mit einem Tone gesprochen—mit einem Tone!—Ich höre ihn noch! Wo waren meine Sinne, daß sie diesen Ton nicht sogleich verstanden?

Marinelli. Nun, gnädige Frau?—Ich war von jeher des Grafen Freund; sein vertrautester Freund. Also, wenn er mich noch im Sterben nannte.

Claudia. Mit dem Tone?—Ich kann ihn nicht nachmachen; ich
kann ihn nicht beschreiben: aber er enthielt alles! alles!—Was?
Räuber wären es gewesen, die uns anfielen?—Mörder waren es; erkaufte
Mörder!—Und Marinelli, Marinelli war das letzte Wort des sterbenden
Grafen! Mit einem Tone!