Orsina. Haben Sie keinen Anteil daran?
Marinelli. Woran?
Orsina. Schwören Sie!—Nein, schwören Sie nicht. Sie möchten eine Sünde mehr begehen.—Oder ja, schwören Sie nur. Eine Sünde mehr oder weniger für einen, der doch verdammt ist!—Haben Sie keinen Anteil daran?
Marinelli. Sie erschrecken mich, Gräfin.
Orsina. Gewiß?—Nun, Marinelli, argwohnet Ihr gutes Herz auch nichts?
Marinelli. Was? worüber?
Orsina. Wohl—so will ich Ihnen etwas vertrauen—etwas, das Ihnen jedes Haar auf dem Kopfe zu Berge sträuben soll.—Aber hier, so nahe an der Türe, möchte uns jemand hören. Kommen Sie hierher!—Und! (Indem sie den Finger auf den Mund legt) Hören Sie! ganz in geheim! ganz in geheim! (und ihren Mund seinem Ohre nähert, als ob sie ihm zuflüstern wollte, was sie aber sehr laut ihm zuschreiet.) Der Prinz ist ein Mörder!
Marinelli. Gräfin—Gräfin—sind Sie ganz von Sinnen?
Orsina. Von Sinnen? Ha! ha! ha! (Aus vollem Halse lachend.) Ich bin selten oder nie mit meinem Verstande so wohl zufrieden gewesen als eben itzt.—Zuverlässig, Marinelli—aber es bleibt unter uns—(leise) der Prinz ist ein Mörder! des Grafen Appiani Mörder!—Den haben nicht Räuber, den haben Helfershelfer des Prinzen, den hat der Prinz umgebracht!
Marinelli. Wie kann Ihnen so eine Abscheulichkeit in den Mund, in die
Gedanken kommen?