Odoardo. Was vors erste?

Marinelli. Werden Sie wohl erlauben müssen, Herr Oberster, daß sie nach Guastalla gebracht wird.

Odoardo. Meine Tochter? nach Guastalla gebracht wird? und warum?

Marinelli. Warum? Erwägen Sie doch nur.

Odoardo (hitzig). Erwägen! erwägen! Ich erwäge, daß hier nichts zu erwägen ist.—Sie soll, sie muß mit mir.

Marinelli. O mein Herr—was brauchen wir uns hierüber zu ereifern?
Es kann sein, daß ich mich irre, daß es nicht nötig ist, was ich für
nötig halte.—Der Prinz wird es am besten zu beurteilen wissen. Der
Prinz entscheide.—Ich geh und hole ihn.

Vierter Auftritt

Odoardo Galotti. Wie?—Nimmermehr!—Mir vorschreiben, wo sie hin soll?—Mir sie vorenthalten?—Wer will das? Wer darf das?—Der hier alles darf, was er will? Gut, gut, so soll er sehen, wieviel auch ich darf, ob ich es schon nicht dürfte! Kurzsichtiger Wüterich! Mit dir will ich es wohl aufnehmen. Wer kein Gesetz achtet, ist ebenso mächtig, als wer kein Gesetz hat. Das weißt du nicht? Komm an! komm an!—Aber, sieh da! Schon wieder, schon wieder rennet der Zorn mit dem Verstande davon.—Was will ich? Erst müßt' es doch geschehen sein, worüber ich tobe. Was plaudert nicht eine Hofschranze! Und hätte ich ihn doch nur plaudern lassen! Hätte ich seinen Vorwand, warum sie wieder nach Guastalla soll, doch nur angehört!—So könnte ich mich itzt auf eine Antwort gefaßt machen.—Zwar auf welchen kann mir eine fehlen?—Sollte sie mir aber fehlen, sollte sie—Man kömmt. Ruhig, alter Knabe, ruhig!

Fünfter Auftritt

Der Prinz. Marinelli. Odoardo Galotti.