Die Koenigin. Sind Sie der Verraeter, Graf? Bist du es, Blanca? Wer von euch war mein Retter? wer mein Moerder? Mich duenkt, ich hoerte im Schlafe euch beide rufen: Verraeterin! Verraeter! Und doch kann nur eines von euch diesen Namen verdienen. Wenn eines von euch mein Leben suchte, so bin ich es dem andern schuldig. Wem bin ich es schuldig, Graf? Wer suchte es, Blanca? Ihr schweigt?—Wohl, schweigt nur! Ich will in dieser Ungewissheit bleiben; ich will den Unschuldigen nicht wissen, um den Schuldigen nicht zu kennen. Vielleicht duerfte es mich ebensosehr schmerzen, meinen Beschuetzer zu erfahren, als meinen Feind. Ich will der Blanca gern ihre Verraeterei vergeben, ich will sie ihr verdanken: wenn dafuer der Graf nur unschuldig war."[3]
Aber der Kanzler sagt: wenn es die Koenigin schon hierbei wolle bewenden lassen, so duerfe er es doch nicht; das Verbrechen sei zu gross; sein Amt erfodere, es zu ergruenden; besonders da aller Anschein sich wider den Grafen erklaere.
"Die Koenigin. Der Kanzler hat recht; man muss es untersuchen.—Graf,—
Essex. Koenigin!—
Die Koenigin. Bekennen Sie die Wahrheit.—(Beiseite.) Aber wie sehr fuerchtet meine Liebe, sie zu hoeren! War es Blanca?
Essex. Ich Ungluecklicher!
Die Koenigin. War es Blanca, die meinen Tod wollte?
Essex. Nein, Koenigin; Blanca war es nicht.
Die Koenigin. Sie waren es also?
Essex. Schreckliches Schicksal!—Ich weiss nicht.