Die Koenigin. Nichts.
Essex. Wenn die Koenigin so streng ist, so rufe ich die Dame an, der ich das Leben gerettet. Diese wird doch wohl guetiger mit mir verfahren?
Die Koenigin. Diese hat schon mehr getan, als sie sollte: sie hat
Ihnen den Weg geoeffnet, der Gerechtigkeit zu entfliehen.
Essex. Und mehr habe ich um Sie nicht verdient, um Sie, die mir ihr
Leben schuldig ist?
Die Koenigin. Sie haben schon gehoert, dass ich diese Dame nicht bin. Aber gesetzt, ich waere es: gebe ich Ihnen nicht ebensoviel wieder, als ich von Ihnen empfangen habe?
Essex. Wo das? Dadurch doch wohl nicht, dass Sie mir den Schluessel gegeben?
Die Koenigin. Dadurch allerdings.
Essex. Der Weg, den mir dieser Schluessel eroeffnen kann, ist weniger der Weg zum Leben, als zur Schande. Was meine Freiheit bewirken soll, muss nicht meiner Furchtsamkeit zu dienen scheinen. Und doch glaubt die Koenigin, mich mit diesem Schluessel fuer die Reiche, die ich ihr erfochten, fuer das Blut, das ich um sie vergossen, fuer das Leben, das ich ihr erhalten, mich mit diesem elenden Schluessel fuer alles das abzulohnen?[5] Ich will mein Leben einem anstaendigem Mittel zu danken haben, oder sterben (indem er nach dem Fenster geht).
Die Koenigin. Wo gehen Sie hin?
Essex. Nichtwuerdiges Werkzeug meines Lebens und meiner Entehrung! Wenn bei dir alle meine Hoffnung beruhet, so empfange die Flut, in ihrem tiefsten Abgrunde, alle meine Hoffnung! (Er eroeffnet das Fenster und wirft den Schluessel durch das Gitter in den Kanal.) Durch die Flucht waere mein Leben viel zu teuer erkauft.[6]