Apecei· blepw gar authn.
Taca, khre, kai lalhseiV.
Auch in der Angabe des Bathylls, ist die Anpreisung des schÖnen Knabens mit der Anpreisung der Kunst und des KÜnstlers so ineinander geflochten, daß es zweifelhaft wird, wem zu Ehren Anakreon das Lied eigentlich bestimmt habe. Er sammelt die schönsten Teile aus verschiednen GemÄlden, an welchen eben die vorzügliche Schönheit dieser Teile das Charakteristische war; den Hals nimmt er von einem Adonis, Brust und Hände von einem Merkur, die Hüfte von einem Pollux, den Bauch von einem Bacchus; bis er den ganzen Bathyll in einem vollendeten Apollo des Künstlers erblickt.
Meta de proswpon estw,
Ton AdwnidoV parelJwn,
ElejantinoV trachloV·
Metamazion de poiei
DidumaV te ceiraV Ermou,
PoludeukeoV de mhrouV,
Dionusihn de nhdun—
Ton Apollwna de touton
KaJelwn, poiei BaJullon.
So weiß auch Lucian von der SchÖnheit der Panthea anders keinen Begriff zu machen, als durch Verweisung auf die schönsten weiblichen BildsÄulen alter KÜnstler 10). Was heißt aber dieses sonst, als bekennen, daß die Sprache vor sich selbst hier ohne Kraft ist; daß die Poesie stammelt und die Beredsamkeit verstummet, wenn ihnen nicht die Kunst noch einigermaßen zur Dolmetscherin dienet?
{10. EikoneV § 3. T. II. p. 461. Edit. Reitz.}
XXI.
Aber verliert die Poesie nicht zu viel, wenn man ihr alle Bilder körperlicher Schönheit nehmen will?—Wer will ihr die nehmen? Wenn man ihr einen einzigen Weg zu verleiden sucht, auf welchem sie zu solchen Bildern zu gelangen gedenket, indem sie die Fußtapfen einer verschwisterten Kunst aufsucht, in denen sie ängstlich herumirret, ohne jemals mit ihr das gleiche Ziel zu erreichen: verschließt man ihr darum auch jeden andern Weg, wo die Kunst hinwiederum ihr nachsehen muß?
Eben der Homer, welcher sich aller stückweisen Schilderung körperlicher Schönheiten so geflissentlich enthält, von dem wir kaum einmal im Vorbeigehen erfahren, daß Helena weiße Arme 1) und schönes Haar 2) gehabt; eben der Dichter weiß demohngeachtet uns von ihrer Schönheit einen Begriff zu machen, der alles weit übersteiget, was die Kunst in dieser Absicht zu leisten imstande ist. Man erinnere sich der Stelle, wo Helena in die Versammlung der Ältesten des trojanischen Volkes tritt. Die ehrwürdigen Greise sehen sie, und einer sprach zu den andern 3):
{1. Iliad. G. v. 121.}
{2. Ibid. v. 329.}