3. Szene
(Franziska und hernach der Wirt.)
Franziska (die ihm ernsthaft nachsieht). Ich verdiene den Biß!—Ich bedanke mich, Just. Ich setzte die Ehrlichkeit zu tief herab. Ich will die Lehre nicht vergessen.—Ah! der unglückliche Mann! (Kehrt sich um und will nach dem Zimmer des Fräuleins gehen, indem der Wirt kömmt.)
Wirt
Warte Sie doch, mein schönes Kind.
Franziska
Ich habe jetzt nicht Zeit, Herr Wirt—
Wirt
Nun ein kleines Augenblickchen!—Noch keine Nachricht weiter von dem
Herrn Major? Das konnte doch unmöglich sein Abschied sein!—
Franziska
Was denn?
Wirt Hat es Ihr das gnädige Fräulein nicht erzählt?—Als ich Sie, mein schönes Kind, unten in der Küche verließ, so kam ich von ungefähr wieder hier in den Saal—
Franziska
Von ungefähr, in der Absicht, ein wenig zu horchen.
Wirt Ei, mein Kind, wie kann Sie das von mir denken? Einem Wirte läßt nichts übler als Neugierde.—Ich war nicht lange hier, so prellte auf einmal die Türe bei dem gnädigen Fräulein auf. Der Major stürzte heraus, das Fräulein ihm nach, beide in einer Bewegung, mit Blicken, in einer Stellung—so was läßt sich nur sehen. Sie ergriff ihn, er riß sich los, sie ergriff ihn wieder. "Tellheim!"—Fräulein, lassen Sie mich!"—"Wohin?"—So zog er sie bis an die Treppe. Mir war schon bange, er würde sie mit herabreißen. Aber er wand sich noch los. Das Fräulein blieb an der obersten Schwelle stehn, sah ihm nach, rief ihm nach, rang die Hände. Auf einmal wandte sie sich um, lief nach dem Fenster, von dem Fenster wieder zur Treppe, von der Treppe in dem Saale hin und wider. Hier stand ich, hier ging sie dreimal bei mir vorbei, ohne mich zu sehen. Endlich war es, als ob sie mich sähe, aber, Gott sei bei uns! ich glaube, das Fräulein sahe mich für Sie an, mein Kind. "Franziska", rief sie, die Augen auf mich gerichtet, "bin ich nun glücklich?" Darauf sahe sie steif an die Decke und wiederum: "Bin ich nun glücklich?" Darauf wischte sie sich Tränen aus dem Auge und lächelte und fragte mich wiederum: "Franziska, bin ich nun glücklich?"—Wahrhaftig, ich wußte nicht, wie mir war. Bis sie nach ihrer Türe lief, da kehrte sie sich nochmals nach mir um: "So komm doch, Franziska; wer jammert dich nun?"—Und damit hinein.