Tellheim
Ich versichere, daß ich seiner nicht bin.

Fräulein
Und daß ihm, ich weiß nicht welcher Minister, vertrauet habe, Ihre
Sache sei dem glücklichsten Ausgange nahe. Es müsse ein königliches
Handschreiben an Sie unterwegens sein—

Tellheim Wie kämen Riccaut und ein Minister zusammen?—Etwas zwar muß in meiner Sache geschehen sein. Denn nur jetzt erklärte mir der Kriegszahlmeister, daß der König alles niedergeschlagen habe, was wider mich urgieret worden, und daß ich mein schriftlich gegebenes Ehrenwort, nicht eher von hier zu gehen, als bis man mich völlig entladen habe, wieder zurück- nehmen könne.—Das wird es aber auch alles sein. Man wird mich wollen laufen lassen. Allein man irrt sich; ich werde nicht laufen. Eher soll mich hier das äußerste Elend vor den Augen meiner Verleumder verzehren—

Fräulein
Hartnäckiger Mann!

Tellheim
Ich brauche keine Gnade, ich will Gerechtigkeit. Meine Ehre—

Fräulein
Die Ehre eines Mannes wie Sie—

Tellheim (hitzig). Nein, mein Fräulein, Sie werden von allen Dingen recht gut urteilen können, nur hierüber nicht. Die Ehre ist nicht die Stimme unsers Gewissen, nicht das Zeugnis weniger Rechtschaffnen—

Fräulein
Nein, nein, ich weiß wohl.—Die Ehre ist—die Ehre.

Tellheim Kurz, mein Fräulein—Sie haben mich nicht ausreden lassen.—Ich wollte sagen: wenn man mir das Meinige so schimpflich vorenthält, wenn meiner Ehre nicht die vollkommenste Genugtuung geschieht, so kann ich, mein Fräulein, der Ihrige nicht sein. Denn ich bin es in den Augen der Welt nicht wert zu sein. Das Fräulein von Barnhelm verdienet einen unbescholtenen Mann. Es ist eine nichtswürdige Liebe, die kein Bedenken trägt, ihren Gegenstand der Verachtung auszusetzen. Es ist ein nichtswürdiger Mann, der sich nicht schämet, sein ganzes Glück einem Frauenzimmer zu verdanken, dessen blinde Zärtlichkeit—

Fräulein
Und das ist Ihr Ernst, Herr Major?—(Indem sie ihm plötzlich den
Rücken wendet.) Franziska!