Saladin (ernst).
Sei ruhig, Christ!

Tempelherr. Was? ruhig Christ?—Wenn Jud'
Und Muselmann, auf Jud', auf Muselmann
Bestehen: soll allein der Christ den Christen
Nicht machen dürfen?

Saladin (noch ernster). Ruhig, Christ!

Tempelherr (gelassen). Ich fühle
Des Vorwurfs ganze Last,—die Saladin
In diese Silbe preßt! Ah, wenn ich wüßte,
Wie Assad,—Assad sich an meiner Stelle
Hierbei genommen hätte!

Saladin. Nicht viel besser!—
Vermutlich ganz so brausend!—Doch, wer hat
Denn dich auch schon gelehrt, mich so wie er
Mit einem Worte zu bestechen? Freilich
Wenn alles sich verhält, wie du mir sagest:
Kann ich mich selber kaum in Nathan finden.—
Indes, er ist mein Freund, und meiner Freunde
Muß keiner mit dem andern hadern.—Laß
Dich weisen! Geh behutsam! Gib ihn nicht
Sofort den Schwärmern deines Pöbels preis!
Verschweig, was deine Geistlichkeit, an ihm
Zu rächen, mir so nahe legen würde!
Sei keinem Juden, keinem Muselmanne
Zum Trotz ein Christ!

Tempelherr. Bald wär's damit zu spät!
Doch dank der Blutbegier des Patriarchen,
Des Werkzeug mir zu werden graute!

Saladin. Wie?
Du kamst zum Patriarchen eher, als
Zu mir?

Tempelherr. Im Sturm der Leidenschaft, im Wirbel
Der Unentschlossenheit!—Verzeih!—Du wirst
Von deinem Assad, fürcht ich, ferner nun
Nichts mehr in mir erkennen wollen.

Saladin. Wär'
Es diese Furcht nicht selbst! Mich dünkt, ich weiß,
Aus welchen Fehlern unsre Tugend keimt.
Pfleg diese ferner nur, und jene sollen
Bei mir dir wenig schaden.—Aber geh!
Such du nun Nathan, wie er dich gesucht;
Und bring ihn her. Ich muß euch doch zusammen
Verständigen.—Wär' um das Mädchen dir
Im Ernst zu tun: sei ruhig. Sie ist dein!
Auch soll es Nathan schon empfinden, daß
Er ohne Schweinefleisch ein Christenkind
Erziehen dürfen!—Geh!

(Der Tempelherr geht ab, und Sittah verläßt den Sofa.)