Recha (die sich auf den Knien zu Saladins Füßen schleppt, den Kopf
zur Erde gesenkt).
Ich steh nicht auf! nicht eher auf!—mag eher
Des Sultans Antlitz nicht erblicken!—eher
Den Abglanz ewiger Gerechtigkeit
Und Güte nicht in seinen Augen, nicht
Auf seiner Stirn bewundern…
Saladin. Steh… steh auf!
Recha.
Eh' er mir nicht verspricht…
Saladin. Komm! ich verspreche…
Sei was es will!
Recha. Nicht mehr, nicht weniger,
Als meinen Vater mir zu lassen; und
Mich ihm!—Noch weiß ich nicht, wer sonst mein Vater
Zu sein verlangt;—verlangen kann. Will's auch
Nicht wissen. Aber macht denn nur das Blut
Den Vater? nur das Blut?
Saladin (der sie aufhebt).
Ich merke wohl!—
Wer war so grausam denn, dir selbst—dir selbst
Dergleichen in den Kopf zu setzen? Ist
Es denn schon völlig ausgemacht? erwiesen?
Recha.
Muß wohl! Denn Daja will von meiner Amm'
Es haben.
Saladin. Deiner Amme!
Recha. Die es sterbend
Ihr zu vertrauen sich verbunden fühlte.
Saladin.
Gar sterbend!—Nicht auch faselnd schon? Und wär's
Auch wahr!—Jawohl: das Blut, das Blut allein
Macht lange noch den Vater nicht! macht kaum
Den Vater eines Tieres! gibt zum höchsten
Das erste Recht, sich diesen Namen zu
Erwerben!—Laß dir doch nicht bange sein!
Und weißt du was? Sobald der Väter zwei
Sich um dich streiten:—laß sie beide; nimm
Den dritten!—Nimm dann mich zu deinem Vater!