Nathan.
Noch wissen sie von nichts! Noch steht's bei dir
Allein, was sie davon erfahren sollen!

Saladin (indes er darin geblättert).
Ich meines Bruders Kinder nicht erkennen?
Ich meine Neffen—meine Kinder nicht?
Sie nicht erkennen? ich? Sie dir wohl lassen?
(Wieder laut.)
Sie sind's! Sie sind es, Sittah, sind's! Sie sind's!
Sind beide meines… deines Bruders Kinder!
(Er rennt in ihre Umarmungen.)

Sittah (ihm folgend).
Was hör ich!—Konnt's auch anders, anders sein!—

Saladin (zum Tempelherrn).
Nun mußt du doch wohl, Trotzkopf, mußt mich lieben!
(Zu Recha.)
Nun bin ich doch, wozu ich mich erbot?
Magst wollen, oder nicht!

Sittah. Ich auch! ich auch!

Saladin (zum Tempelherrn zurück).
Mein Sohn! mein Assad! meines Assads Sohn!

Tempelherr.
Ich deines Bluts!—So waren jene Träume,
Womit man meine Kindheit wiegte, doch—
Doch mehr als Träume!
(Ihm zu Füßen fallend.)

Saladin (ihn aufhebend).
Seht den Bösewicht!
Er wußte was davon, und konnte mich
Zu seinem Mörder machen wollen! Wart!

(Unter stummer Wiederholung allseitiger Umarmungen fällt der Vorhang.)

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Nathan der Weise, von Gotthold
Ephraim Lessing.