Recha. Nur einen Blick noch!—Ah! die Hecke,
Die mir ihn stiehlt.
Daja. Kommt! kommt! Der Vater hat
Ganz recht. Ihr lauft Gefahr, wenn er Euch sieht,
Daß auf der Stell' er umkehrt.
Recha. Ah! die Hecke!
Nathan.
Und kömmt er plötzlich dort aus ihr hervor:
So kann er anders nicht, er muß Euch sehn.
Drum geht doch nur!
Daja. Kommt! kommt! Ich weiß ein Fenster,
Aus dem wir sie bemerken können.
Recha. Ja?
(Beide hinein.)
Fünfter Auftritt
Nathan und bald darauf der Tempelherr.
Nathan.
Fast scheu ich mich des Sonderlings. Fast macht
Mich seine rauhe Tugend stutzen. Daß
Ein Mensch doch einen Menschen so verlegen
Soll machen können!—Ha! er kömmt.—Bei Gott!
Ein Jüngling wie ein Mann. Ich mag ihn wohl
Den guten, trotz'gen Blick! den prallen Gang!
Die Schale kann nur bitter sein: der Kern
Ist's sicher nicht.—Wo sah ich doch dergleichen?—
Verzeihet, edler Franke…