Tempelherr. Auf—auf—wie heißt der Berg?
Auf Sinai.

Recha. Auf Sinai?—Ah schön!
Nun kann ich zuverlässig doch einmal
Erfahren, ob es wahr…

Tempelherr. Was? was? Ob's wahr,
Daß noch daselbst der Ort zu sehn, wo Moses
Vor Gott gestanden, als…

Recha. Nun das wohl nicht.
Denn wo er stand, stand er vor Gott. Und davon
Ist mir zur Gnüge schon bekannt.—Ob's wahr,
Möcht' ich nur gern von Euch erfahren, daß—
Daß es bei weitem nicht so mühsam sei,
Auf diesen Berg hinaufzusteigen, als
Herab?—Denn seht; soviel ich Berge noch
Gestiegen bin, war's just das Gegenteil.—
Nun, Ritter?—Was?—Ihr kehrt Euch von mir ab?
Wollt mich nicht sehn?

Tempelherr. Weil ich Euch hören will.

Recha.
Weil Ihr mich nicht wollt merken lassen, daß
Ihr meiner Einfalt lächelt; daß Ihr lächelt,
Wie ich Euch doch so gar nichts Wichtigers
Von diesem heiligen Berg' aller Berge
Zu fragen weiß? Nicht wahr?

Tempelherr. So muß
Ich doch Euch wieder in die Augen sehn.—
Was? Nun schlagt Ihr sie nieder? nun verbeißt
Das Lächeln Ihr? wie ich noch erst in Mienen,
In zweifelhaften Mienen lesen will,
Was ich so deutlich hör, Ihr so vernehmlich
Mir sagt—verschweigt?—Ah Recha! Recha! Wie
Hat er so wahr gesagt: "Kennt sie nur erst!"

Recha.
Wer hat?—von wem?—Euch das gesagt?

Tempelherr. "Kennt sie
Nur erst!" hat Euer Vater mir gesagt;
Von Euch gesagt.

Daja. Und ich nicht etwa auch?
Ich denn nicht auch?