Sittah. O nun dann!
Was hat es dann für Not! Die Schlinge liegt
Ja nur dem geizigen, besorglichen,
Furchtsamen Juden: nicht dem guten, nicht
Dem weisen Manne. Dieser ist ja so
Schon unser, ohne Schlinge. Das Vergnügen,
Zu hören, wie ein solcher Mann sich ausred't;
Mit welcher dreisten Stärk' entweder er
Die Stricke kurz zerreißet; oder auch
Mit welcher schlauen Vorsicht er die Netze
Vorbei sich windet: dies Vergnügen hast
Du obendrein.
Saladin. Nun, das ist wahr. Gewiß;
Ich freue mich darauf.
Sittah. So kann dich ja
Auch weiter nichts verlegen machen. Denn
Ist's einer aus der Menge bloß; ist's bloß
Ein Jude, wie ein Jude: gegen den
Wirst du dich doch nicht schämen, so zu scheinen,
Wie er die Menschen all sich denkt? Vielmehr;
Wer sich ihm besser zeigt, der zeigt sich ihm
Als Geck, als Narr.
Saladin. So muß ich ja wohl gar
Schlecht handeln, daß von mir der Schlechte nicht
Schlecht denke?
Sittah. Traun! wenn du schlecht handeln nennst,
Ein jedes Ding nach seiner Art zu brauchen.
Saladin.
Was hätt' ein Weiberkopf erdacht, das er
Nicht zu beschönen wüßte!
Sittah. Zu beschönen!
Saladin.
Das feine, spitze Ding, besorg ich nur,
In meiner plumpen Hand zerbricht!—So was
Will ausgeführt sein, wie's erfunden ist:
Mit aller Pfiffigkeit, Gewandtheit.—Doch,
Mag's doch nur, mag's! Ich tanze, wie ich kann;
Und könnt' es freilich lieber—schlechter noch
Als besser.
Sittah. Trau dir auch nur nicht zu wenig!
Ich stehe dir für dich! Wenn du nur willst.—
Daß uns die Männer deinesgleichen doch
So gern bereden möchten, nur ihr Schwert,
Ihr Schwert nur habe sie so weit gebracht.
Der Löwe schämt sich freilich, wenn er mit
Dem Fuchse jagt:—des Fuchses, nicht der List.
Saladin.
Und daß die Weiber doch so gern den Mann
Zu sich herunter hätten!—Geh nur, geh!—
Ich glaube meine Lektion zu können.