Nathan.
Ich hätte noch Gelegenheit gewünscht,
Dir eine Bitte vorzutragen.
Saladin. Braucht's
Gelegenheit zu einer Bitte?—Rede!
Nathan.
Ich komm von einer weiten Reis', auf welcher
Ich Schulden eingetrieben.—Fast hab ich
Des baren Gelds zuviel.—Die Zeit beginnt
Bedenklich wiederum zu werden;—und
Ich weiß nicht recht, wo sicher damit hin.—
Da dacht' ich, ob nicht du vielleicht,—weil doch
Ein naher Krieg des Geldes immer mehr
Erfordert,—etwas brauchen könntest.
Saladin (ihm steif in die Augen sehend).
Nathan!—
Ich will nicht fragen, ob Al-Hafi schon
Bei dir gewesen;—will nicht untersuchen,
Ob dich nicht sonst ein Argwohn treibt, mir dieses
Erbieten freierdings zu tun:…
Nathan. Ein Argwohn?
Saladin.
Ich bin ihn wert.—Verzeih mir!—Denn was hilft's?
Ich muß dir nur gestehen,—daß ich im
Begriffe war—
Nathan. Doch nicht, das Nämliche
An mich zu suchen?
Saladin. Allerdings.
Nathan. So wär'
Uns beiden ja geholfen!—Daß ich aber
Dir alle meine Barschaft nicht kann schicken,
Das macht der junge Tempelherr. Du kennst
Ihn ja. Ihm hab ich eine große Post
Vorher noch zu bezahlen.
Saladin. Tempelherr?
Du wirst doch meine schlimmsten Feinde nicht
Mit deinem Geld auch unterstützen wollen?