Sittah. Was soll nun das? Was soll das Geld
Bei mir?
Saladin. Mach dich davon bezahlt; und leg
Auf Vorrat, wenn was übrigbleibt.
Sittah. Ist Nathan
Noch mit dem Tempelherrn nicht da?
Saladin. Er sucht
Ihn aller Orten.
Sittah. Sieh doch, was ich hier,
Indem mir so mein alt Geschmeide durch
Die Hände geht, gefunden.
(Ihm ein klein Gemälde zeigend.)
Saladin. Ha! mein Bruder!
Das ist er, ist er!—War er! war er! ah!—
Ah wackrer lieber Junge, daß ich dich
So früh verlor! Was hätt' ich erst mit dir,
An deiner Seit' erst unternommen!—Sittah,
Laß mir das Bild. Auch kenn ich's schon: er gab
Es deiner ältern Schwester, seiner Lilla,
Die eines Morgens ihn so ganz und gar
Nicht aus den Armen lassen wollt'. Es war
Der letzte, den er ausritt.—Ah, ich ließ
Ihn reiten, und allein!—Ah, Lilla starb
Vor Gram, und hat mir's nie vergeben, daß
Ich so allein ihn reiten lassen.—Er
Blieb weg!
Sittah. Der arme Bruder!
Saladin. Laß nur gut
Sein!—Einmal bleiben wir doch alle weg!—
Zudem,—wer weiß? Der Tod ist's nicht allein,
Der einem Jüngling seiner Art das Ziel
Verrückt. Er hat der Feinde mehr; und oft
Erliegt der Stärkste gleich dem Schwächsten.—Nun,
Sei wie ihm sei!—Ich muß das Bild doch mit
Dem jungen Tempelherrn vergleichen; muß
Doch sehn, wieviel mich meine Phantasie
Getäuscht.
Sittah. Nur darum bring ich's. Aber gib
Doch, gib! Ich will dir das wohl sagen; das
Versteht ein weiblich Aug' am besten.