Wie, daß des Undanks Frost die trägen Lippen bindet,
Volk, dem er Heil, wie Flocken, gibt!
Ihm dank es, wenn ein Jahr in süßer Ruh verschwindet;
Ihm dank es, daß dich Friedrich liebt.
Der Eintritt des Jahres 1755 in Berlin
Wunsch, der du in der Brust geheimer Lieblingssünden
Geheimes Werkzeug bist,
Das oft ein lauter Freund—wer kann das Herz ergründen?—
Ein stiller Mörder ist;
Durch Laster, Torheit, Wahn zu sehr, zu sehr entweihet,
Braucht keine Muse dich;
Die feile wär es denn, die um den Pöbel freiet,
Und singt sich lächerlich.
Jüngst als Kalliope den Hain und Aganippen
Um ihren Helden mied,
Und zog auf Sanssouci, erklang von ihren Lippen
Ein prophezeiend Lied.
"Noch lange wird dies Land, mit den erfochtnen Staaten,
Im Schoß des Friedens ruhn;
Denn sein Beschützer trägt die Lorbeern großer Taten,
Um größere zu tun.
Er braucht den Sieg als Sieg, macht Kunst und Handel rege
Und zeichnet jedes Lauf."—
Sie schwieg, und plötzlich stieß, zur Linken an dem Wege,
Ein rascher Adler auf.
Dem segnete sie nach mit heiligem Entzücken
Und aufgehobner Hand,
Bis er, am Ziel des Flugs, vor ihren schärfern Blicken,
Dem Thron des Zeus, verschwand.
Der Tod eines Freundes
Hat, neuer Himmelsbürger, sich
Dein geistig Ohr nicht schon des Klagetons entwöhnet,
Und kann ein banges Ach um dich,
Das hier und da ein Freund bei stillen Tränen stöhnet,
Dir unterm jauchzenden Empfangen
Der bessern Freunde hörbar sein,
So sei nicht für die Welt, mit unserm Schmerz zu prangen,
Dies Lied: es sei für dich, für dich allein!