Aridäus. Prinz, ich höre dich mit Erstaunen—

Philotas. Ach!—Auch ein Weib kann man mit Erstaunen hören!

Aridäus. Mit Erstaunen, Prinz, und nicht ohne Jammer!—Dich hat das Schicksal zur Krone bestimmt, dich!—Dir will es die Glückseligkeit eines ganzen, mächtigen, edeln Volkes anvertrauen; dir!—Welch eine schreckliche Zukunft enthüllt sich mir! Du wirst dein Volk mit Lorbeern und Elend überhäufen. Du wirst mehr Siege, als glückliche Untertanen zählen.—Wohl mir, daß meine Tage in die deinigen nicht reichen werden! Aber wehe meinem Sohne, meinem redlichen Sohne! Du wirst es ihm schwerlich vergönnen, den Harnisch abzulegen—

Philotas. Beruhige den Vater, o König! Ich werde deinem Sohne weit mehr vergönnen! weit mehr!

Aridäus. Weit mehr? Erkläre dich—

Philotas. Habe ich ein Rätsel gesprochen?—O verlange nicht, König, daß ein Jüngling, wie ich, alles mit Bedacht und Absicht sprechen soll. —Ich wollte nur sagen: Die Frucht ist oft ganz anders, als die Blüte sie verspricht. Ein weibischer Prinz, hat mich die Geschichte gelehrt, ward oft ein kriegerischer König. Könnte mit mir sich nicht das Gegenteil zutragen?—Oder vielleicht war auch diese meine Meinung, daß ich noch einen weiten und gefährlichen Weg zum Throne habe. Wer weiß, ob die Götter mich ihn vollenden lassen?—Und laß mich ihn nicht vollenden, Vater der Götter und Menschen, wenn du in der Zukunft mich als einen Verschwender des Kostbarsten, was du mir anvertrauet, des Blutes meiner Untertanen, siehest!—

Aridäus. Ja, Prinz; was ist ein König, wenn er kein Vater ist! Was ist ein Held ohne Menschenliebe! Nun erkenne ich auch diese in dir, und bin wieder ganz dein Freund!—Aber komm, komm; wir müssen hier nicht allein bleiben. Wir sind einer dem andern zu ernsthaft. Folge mir!

Philotas. Verzeih, König—

Aridäus. Weigere dich nicht!

Philotas. So wie ich bin, mich vor vielen sehen zu lassen?—