Philotas. Laß meine Bildung unverspottet! Dein Gesicht voll Narben ist freilich ein schöners Gesicht—

Strato. Bei den Göttern! eine große Antwort! Ich muß dich bewundern und lieben.

Philotas. Möchtest du doch, wenn du mich nur erst gefürchtet hättest.

Strato. Immer heldenmütiger! Wir haben den schrecklichsten Feind vor uns, wenn unter seiner Jugend der Philotas viel sind.

Philotas. Schmeichle mir nicht!—Euch schrecklich zu werden, müssen sie mit meinen Gesinnungen größre Taten verbinden. Darf ich deinen Namen wissen?

Strato. Strato.

Philotas. Strato? Der tapfre Strato, der meinen Vater am Lykus schlug?—

Strato. Gedenke mir dieses zweideutigen Sieges nicht! Und wie blutig rächte sich dein Vater in der Ebene Methymna! So ein Vater muß so einen Sohn haben.

Philotas. O dir darf ich es klagen, du würdigster der Feinde meines Vaters, dir darf ich mein Schicksal klagen.—Nur du kannst mich ganz verstehen; denn auch dich, auch dich hat das herrschende Feuer der Ehre, der Ehre fürs Vaterland zu bluten, in deiner Jugend verzehrt. Wärest du sonst, was du bist?—Wie habe ich ihn nicht, meinen Vater, seit sieben Tagen—denn erst sieben Tage kleidet mich die männliche Toga—wie habe ich ihn nicht gebeten, gefleht, beschworen, siebenmal alle sieben Tage auf den Knieen beschworen, zu verstatten, daß ich nicht umsonst der Kindheit entwachsen sei, und mich mit seinen Streitern ausziehen zu lassen, die mir schon längst so manche Träne der Nacheiferung gekostet. Gestern bewegte ich ihn, den besten Vater, denn Aristodem half mir bitten.—Du kennst ihn, den Aristodem; er ist meines Vaters Strato.—"Gib mir, König, den Jüngling morgen mit," sprach Aristodem; "ich will das Gebirge durchstreifen, um den Weg nach Cäsarea offen zu halten."—"Wenn ich euch nur begleiten könnte", seufzte mein Vater.—Er liegt noch an seinen Wunden krank.—"Doch es sei!" und hiermit umarmte mich mein Vater. O was fühlte der glückliche Sohn in dieser Umarmung!—Und die Nacht, die darauf folgte! Ich schloß kein Auge; doch verweilten mich Träume der Ehre und des Sieges bis zur zweiten Nachtwache auf dem Lager.—Da sprang ich auf, warf mich in den neuen Panzer, strich die ungelockten Haare unter den Helm, wählte unter den Schwertern meines Vaters, dem ich gewachsen zu sein glaubte, stieg zu Pferde; und hatte ein Roß schon müde gespornt, noch ehe die silberne Drommete die befohlne Mannschaft weckte. Sie kamen, und ich sprach mit jedem meiner Begleiter, und da drückte mich mancher wackere Krieger an seine narbigte Brust! Nur mit meinem Vater sprach ich nicht; denn ich zitterte, wenn er mich noch einmal sähe, er möchte sein Wort widerrufen.—Nun zogen wir aus! An der Seite der unsterblichen Götter kann man nicht glücklicher sein, als ich an der Seite Aristodems mich fühlte! Auf jeden seiner anfeuernden Blicke hätte ich, ich allein, ein Heer angegriffen und mich in der feindlichen Eisen gewissesten Tod gestürzet. In stiller Entschlossenheit freute ich mich auf jeden Hügel, von dem ich in der Ebene Feinde zu entdecken hoffte; auf jede Krümmung des Tals, hinter der ich auf sie zu stoßen mir schmeichelte. Und da ich sie endlich von der waldigten Höhe auf uns stürzen sahe; ihnen bergan entgegen flog—rufe dir, ruhmvoller Greis, die seligste deiner jugendlichen Entzückungen zurück—du konntest nie entzückter sein!—Aber nun, nun sieh mich, Strato, sieh mich von dem Gipfel meiner hohen Erwartungen schimpflich herabstürzen! O wie schaudert mich, diesen Fall in Gedanken noch einmal zu stürzen!—Ich war zu weit vorausgeeilt; ich ward verwundet und—gefangen! Armseliger Jüngling, nur auf Wunden hieltest du dich, nur auf den Tod gefaßt,—und wirst gefangen. So schicken die strengen Götter, unsere Fassung zu vereiteln, nur immer unvorhergesehenes Übel?—Ich weine; ich muß weinen, ob ich mich schon, von dir darum verachtet zu werden, scheue. Aber verachte mich nicht!— Du wendest dich weg?

Strato. Ich bin unwillig; du hättest mich nicht so bewegen sollen.—
Ich werde mit dir zum Kinde—