„Wie sollte es sich auch schlecht befinden können? Übrigens ist der Aufkäufer Semjon seit dem Tage nach Eurer Abreise hier; man wird mit ihm unterhandeln müssen, Konstantin Dmitritsch,“ sagte der Verwalter. „Über die Maschine habe ich Euch schon Meldung gemacht.“

Diese einzige Mitteilung versetzte Lewin wieder in alle Einzelheiten des Gutslebens hinein, welches so groß und so verwickelt war, und so begab er sich sogleich aus dem Kuhstall nach dem Kontor, sprach hier mit dem Inspektor und dem Aufkäufer Semjon, und schritt dann nach dem Wohnhause woselbst er sich geradenwegs in das Gastzimmer hinaufbegab.

27.

Das Haus war groß und altertümlich und Lewin, obwohl er es allein bewohnte, heizte das ganze Gebäude und hatte alle Räume desselben in Gebrauch. Er wußte, daß dies nicht eben klug war; er wußte, daß es sogar von üblen Folgen und seinen jetzigen neuen Plänen zuwiderlaufe, aber dieses Haus war für ihn die ganze Welt.

Es war die Welt in welcher seine Eltern gelebt hatten und gestorben waren. Sie hatten das nämliche Leben geführt, wie es Lewin als Ideal der höchsten Vollkommenheit erschien und welches er gewähnt hatte mit einer Gattin, mit einer Familie weiterführen zu können.

Lewin hatte seine Mutter kaum gekannt. Der Begriff Mutter war für ihn nur noch ein geheiligter Gedanke, und eine künftige Gattin mußte in seiner Vorstellungskraft nur die Wiederholung jenes reizvollen geheiligten Ideals von Weib sein, als das ihm die Mutter galt.

Die Liebe zu einem Weibe vermochte er sich ohne Ehe nicht nur nicht vorzustellen, er stellte sie sich vielmehr sogar nur als Familie vor. Seine Begriffe von Heirat waren daher den Auffassungen der Mehrzahl seiner Bekannten unähnlich, für welche dieselbe nur eines jener zahlreichen Geschäfte des Lebens im allgemeinen bildete.

Für ihn war sie die Hauptthat des Daseins, von welcher sein ganzes künftiges Glück abhing. Jetzt aber sollte er einem solchen entsagen.

Als er in den kleinen Salon getreten war, wo er den Thee zu trinken pflegte und sich in seinen Lehnstuhl mit einem Buch niedergelassen hatte, während Agathe Michailowna ihm den Thee brachte, und sich mit ihrem gewohnten „darf ich mich setzen, Batjuschka,“ auf den Stuhl am Fenster setzte, da fühlte er, daß er, so seltsam dies auch sein mochte, von seinen Gedanken sich nicht trennen, daß er ohne sie nicht leben konnte.

Ob mit ihr oder mit einer anderen, aber — es mußte sein! Er las in seinem Buche, er dachte nach über das, was er gelesen hatte, und hörte dann damit auf, um den Worten Agathes zu lauschen, welche in einem fort schwatzte, während sich ihm gleichwohl dabei bunte Bilder aus dem Gutsleben und aus einem zukünftigen Familienleben zusammenhangslos vor das geistige Auge drängten. Er fühlte, daß auf dem Grund seiner Seele Etwas ruhte, was noch gefesselt lag.